Ist seborrhoisches Ekzem heilbar? Was Fachleute heute wissen
Die Schuppen sind endlich weg, und ein paar Wochen später ist alles wieder da. Kein Wunder, dass du dich fragst, ob das je aufhört. Kurz gesagt: Ein seborrhoisches Ekzem (SE) ist nach heutigem Wissen nicht heilbar. Es lässt sich aber gut behandeln und bei vielen Menschen über lange Zeit ruhig halten.
Das Wichtigste in Kürze:
SE gilt als chronisch und wiederkehrend. Es kommt in Schüben und Pausen.
Die verfügbaren Mittel lindern die Beschwerden, beseitigen die Veranlagung aber nicht.
Ein Schub lässt sich meist innerhalb weniger Wochen gut beruhigen.
Wer nach einem Schub regelmäßig weiterbehandelt, hat in Studien deutlich seltener Rückfälle.
Bei Babys ist SE meist vorübergehend.
Warum das seborrhoische Ekzem nicht heilbar ist
Hinter SE steckt nach heutigem Wissen eine Entzündungsreaktion der Haut auf den Hefepilz Malassezia. Dieser Pilz ist ein ganz normaler Bewohner der Haut, vor allem dort, wo viele Talgdrüsen sitzen.
Bei manchen Menschen reagiert die Haut darauf aber stärker. Warum das so ist, wird noch erforscht. Fachleute gehen von einem Zusammenspiel aus Talg, Pilzbesiedlung und individueller Empfindlichkeit aus. Mehr dazu liest du im Artikel über die Ursachen des seborrhoischen Ekzems.
Das erklärt, warum eine Behandlung zwar wirkt, aber nicht dauerhaft wirkt. Pilzmittel verringern den Hefepilz auf der Haut, und entzündungshemmende Mittel beruhigen die Reaktion. Die Veranlagung deiner Haut bleibt. Ein dermatologischer Übersichtsartikel fasst es so zusammen: Die verfügbaren Behandlungen heilen die Erkrankung nicht, sie lindern die Beschwerden.
Wie verläuft ein seborrhoisches Ekzem?
Schübe und ruhige Phasen
Typisch für SE ist ein Wechsel. Es gibt Phasen mit Rötung, Schuppen und Juckreiz und Phasen, in denen die Haut fast unauffällig ist. Fachleute nennen das einen chronisch wiederkehrenden Verlauf. Chronisch heißt also nicht, dass die Beschwerden ständig gleich stark sind.
Was Schübe auslösen kann
Fachartikel nennen Kälte, Stress und manche Medikamente als mögliche Verstärker. Wie stark das wirkt, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Wenn du ein Medikament im Verdacht hast, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt darüber, statt es selbst abzusetzen.
Wie du deine persönlichen Auslöser findest, erklären wir im Artikel Die eigenen Trigger herausfinden.
Kann es von alleine weggehen?
Bei Erwachsenen verläuft SE meist über Jahre in Schüben. Ein einzelner Schub kann abklingen, die Neigung dazu bleibt aber in der Regel bestehen. Bei Säuglingen ist das anders.
Bei Babys sieht die Prognose anders aus
Bei Säuglingen zeigt sich SE vor allem als gelbliche, schuppige Stellen auf dem Kopf, auch Kopfgneis genannt. Fachleute vermuten, dass hier die Hormone der Mutter die Talgdrüsen des Babys anregen. Diese Form ist meist vorübergehend.
In einer Studie aus Athen beobachteten Ärztinnen und Ärzte 49 Kinder über fünf Jahre. 19 dieser Kinder entwickelten keine weitere Hauterkrankung. Bei ihnen allen war das SE innerhalb von sechs Monaten abgeklungen.
Die übrigen 30 Kinder zeigten später Zeichen von Neurodermitis, einer anderen häufigen Hauterkrankung im Kindesalter. Die Studie war klein, ihre Ergebnisse sind deshalb nur ein Anhaltspunkt. Ob die Haut deines Kindes in dieses Bild passt, kann die Kinderarztpraxis einschätzen.
Was Behandlung realistisch leisten kann
Einen Schub beruhigen
Auf Behandlung spricht SE meist gut an. In einer großen Studie mit 575 Menschen mit SE der Kopfhaut wuschen die Teilnehmenden zweimal pro Woche mit einem Shampoo mit dem Pilzmittel Ketoconazol.
Nach zwei bis vier Wochen bewerteten die Studienärzte das Ergebnis bei 88 Prozent als ausgezeichnet. Das gilt für die Kopfhaut.
Auch an Gesicht und Körper sind Pilzmittel wie Ketoconazol die Basis der Behandlung. Kortison beruhigt Entzündungen schnell. Wegen möglicher Nebenwirkungen bei langer Anwendung wird es aber nur kurz und ärztlich begleitet eingesetzt. Einen Überblick über alle Möglichkeiten findest du im Artikel Seborrhoisches Ekzem behandeln.
Rückfälle seltener machen
Dieselbe Studie hat auch untersucht, was nach dem Schub passiert. Wer sechs Monate lang einmal pro Woche mit dem Ketoconazol-Shampoo weiterwusch, hatte in 19 Prozent der Fälle einen Rückfall. Mit einem wirkstofffreien Shampoo waren es 47 Prozent.
Das zeigt zweierlei: Rückfälle sind häufig, aber du kannst ihre Wahrscheinlichkeit deutlich senken. Fachleute nennen das Erhaltungstherapie: eine sparsame Weiterbehandlung, auch wenn die Haut ruhig ist. Wie so eine Routine aussehen kann, zeigen wir im Artikel Seborrhoisches Ekzem vorbeugen. Was für dich passt, besprichst du am besten mit deiner Hautärztin oder deinem Hautarzt.
Wie du gut mit einem chronischen Ekzem lebst
Chronisch bedeutet: SE begleitet dich, und es lässt sich in den meisten Fällen gut steuern. Viele finden mit der Zeit eine Routine, die zu ihrer Haut passt. Diese Punkte helfen dabei:
Früh reagieren: Wenn du die ersten Zeichen eines Schubs kennst, kannst du eher eingreifen.
Bewährtes beibehalten: Hat ein Pilzmittel gewirkt, kann es sinnvoll sein, es in ruhigen Phasen sparsam weiterzuverwenden. Kläre das vorher mit deiner Hautarztpraxis. Kortison gehört nicht dazu.
Haut schonend pflegen: Milde Reinigung und leichte Pflege belasten die Haut weniger.
Geduld mit dir haben: Ein neuer Schub heißt nicht, dass du etwas falsch gemacht hast.
Wenn dich das ständige Wiederkommen seelisch belastet, geht es vielen ähnlich. Darum geht es im Artikel Schuppen im Gesicht gehen nicht weg. Grundlagen zum Krankheitsbild findest du in unserem Ratgeber zum seborrhoischen Ekzem.
Wann solltest du ärztlich abklären lassen?
Lass deine Haut ärztlich anschauen, wenn
die Stellen nässen oder sich ausbreiten,
der Juckreiz dich nachts wach hält oder im Alltag stark stört,
nach einigen Wochen Behandlung keine Besserung eintritt,
Schübe sehr häufig wiederkommen,
du unsicher bist, ob es überhaupt ein SE ist,
dein Baby betroffen ist und die Haut sich entzündet oder nicht besser wird.
Gerade wenn Schübe ständig wiederkehren, kann eine Hautärztin oder ein Hautarzt mit dir einen Plan für ruhige Phasen erstellen.
Häufige Fragen
Ist seborrhoisches Ekzem chronisch?
Ja, bei Erwachsenen gilt SE als chronische Hauterkrankung mit wiederkehrenden Schüben. Dazwischen kann die Haut über lange Zeit ruhig sein. Chronisch heißt also nicht dauerhaft sichtbar.
Wie lange dauert ein Schub?
Das ist unterschiedlich. Mit passender Behandlung bessert sich ein Schub häufig innerhalb von zwei bis vier Wochen. Ohne Behandlung kann er länger anhalten.
Kann ich das seborrhoische Ekzem dauerhaft loswerden?
Nach heutigem Wissen nicht im Sinne einer Heilung. Mit regelmäßiger Behandlung lassen sich Schübe aber deutlich seltener machen. Viele Betroffene haben dadurch lange Phasen mit wenig oder keinen Beschwerden.
Wird ein seborrhoisches Ekzem mit dem Alter besser oder schlechter?
Laut einem italienischen Übersichtsartikel betrifft SE vor allem jüngere Erwachsene. Es kommt aber in jedem Alter vor. Ob es sich bei dir mit den Jahren verändert, lässt sich nicht vorhersagen. Bei Babys ist es dagegen meist vorübergehend.
Quellen & Studien
- Diagnosis and treatment of seborrheic dermatitis
- Topical Non-Pharmacological Treatment for Facial Seborrheic Dermatitis
- Seborrheic Dermatitis and Dandruff: A Comprehensive Review
- An Overview of the Diagnosis and Management of Seborrheic Dermatitis
- Successful treatment and prophylaxis of scalp seborrhoeic dermatitis and dandruff with 2% ketoconazole shampoo: results of a multicentre, double-blind, placebo-controlled trial
- Retrospective analysis of the relationship between infantile seborrheic dermatitis and atopic dermatitis