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Seborrhoisches Ekzem behandeln – aber wie?

Die Diagnose „seborrhoisches Ekzem" lässt viele Betroffene zunächst ratlos zurück. Das Internet ist voll von Tipps, Produktempfehlungen und Hausmitteln – aber was davon ist wirklich wirksam, was ist Mythos und was kann sogar schaden?

Dieser Artikel gibt dir einen strukturierten, evidenzbasierten Überblick über alle Behandlungsoptionen – von der schnellen Symptomlinderung bis zur langfristigen Kontrolle des seborrhoischen Ekzems.


Das Grundprinzip: Behandlung, nicht Heilung

Bevor wir zu den Methoden kommen, ist ein wichtiges Verständnis nötig: Das seborrhoische Ekzem ist eine chronische Erkrankung. Es gibt derzeit keine Behandlung, die es dauerhaft heilt. Das Ziel jeder Maßnahme ist deshalb:

  • Schübe zu verkürzen und abzumildern

  • Die schuppenfreien Phasen zu verlängern

  • Trigger zu identifizieren und zu meiden

Die Strategie gegen das seborrhoische Ekzem als Grafik zusammengefasst:

Strategie gegen das seborrhoische Ekzem

Die zwei Behandlungs-Ansätze

  1. Akutbehandlung (Einmalig bei starkem Schub)

  2. Pflege-Routine (dauerhaft zur Erhaltung von symptomfreien Phasen)

Die Akutbehandlung kann auch als kurze aber schlagkräftige Intervention gesehen werden.

Symptomverlauf bei seborrhoischem Ekzem

Hier fahren wir die großen Geschütze auf, sollten das aber nicht zu lange oder dauerhaft machen, da die Nebenwirkungen sonst zum Problem werden könnten. Teil der Akutbehandlung sind beispielsweise starke Anti-Mykotika (Pilz-Hemmende Wirkstoffe wie etwa Ketoconazol), oder möglicherweise sogar Kortison-Produkte.

Ziel sollte es sein, auf die Akutbehandlung so selten wie möglich zugreifen zu müssen und viel mehr durch eine passende Pflege-Routine die symptomfreien Phasen zu verlängern und zu erhalten. Seine persönlichen Trigger (Schub-begünstigende Faktoren) weitestgehend zu vermeiden ist übrigens auch Teil der Pflege-Routine.

Symptomverlauf bei seborrhoischem Ekzem während guter Pflege-Routine

Es ist allerdings wichtig zu verstehen, dass eine gute Routine und das präventive Umschiffen von Triggern kein Garant dafür ist, dass die Symptome nie wieder ausbrechen. Teilweise ist es auch schlicht nicht möglich Trigger konsequent aus dem eigenen Leben zu verbannen (man denke an psychischen Stress, der ja in manchen Situationen einfach nicht vermeidbar ist). Es ist daher ratsam neben der passenden Pflege-Routine auch stets die Möglichkeit einer Akutbehandlung zu haben, falls ein unerwarteter Schub kommt.


Akutbehandlung: Antifungale Wirkstoffe – die wichtigste Maßnahme

Da der Hefepilz Malassezia der Hauptauslöser für das seborrhoische Ekzem ist, sind Wirkstoffe, die diesen Pilz hemmen oder reduzieren, die wirksamste Behandlungsoption.

Viele Betroffene berichten sehr positiv von Produkten mit Ketoconazol als Wirkstoff. Diese sind in jeder Apotheke rezeptfrei zu bekommen und sind verhältnismäßig günstig. Sind die Schuppen im Gesicht, bspw. in den Augenbrauen oder auf den Nasenflügeln, empfiehlt sich die Creme-Variante. Sind die Schuppen auf der Kopfhaut sollte man eher zum Shampoo greifen. Die Apothekenmitarbeiter kann man sonst auch gut um Rat fragen. Seborrhoisches Ekzem ist verbreitet und vermutlich jeder Apotheker und jede Apothekerin hat schonmal Kundschaft zu dieser Thematik beraten.

Mehr zu Ketoconazol Shampoo

Hier eine Liste mit denkbaren Wirkstoffen:

Wirkstoff

Wirkprinzip

Anwendung

Verfügbarkeit

Ketoconazol (1–2 %)

Hemmt Pilzzellmembran

Shampoo, Creme

Apotheke

Ciclopirox

Breites Antimykotikum

Shampoo, Creme

Apotheke

Pyrithionzink

Antimikrobiell

Shampoo

Drogerie / Apotheke

Selensulfid

Pilzwachstumshemmend

Shampoo

Apotheke

Anwendungsempfehlung: Im akuten Schub täglich, in ruhigen Phasen 1–2x pro Woche zur Erhaltung. Shampoos mindestens 3–5 Minuten einwirken lassen.


Akutbehandlung: Entzündung dämpfen – Kortison und Alternativen

Kortison (topische Kortikoide)

Kortison kann der Haut langfristig wirklich schaden. Besprechen Sie den Einsatz von Kortison immer vorher mit Ihrem behandelnden Arzt.

Kortison kann akute Schübe schnell beruhigen. Es wirkt anti-entzündlich, bekämpft aber nicht die Ursache. Deshalb gilt:

  • Nur kurzfristig einsetzen (max. 1–2 Wochen)

  • Immer auf ärztliche Empfehlung

  • Nicht dauerhaft: führt zur Hautatrophie (Ausdünnung) und kann den Rebound-Effekt auslösen

Calcineurininhibitoren (Tacrolimus, Pimecrolimus)

Diese Wirkstoffe dämpfen die Immunreaktion ohne die typischen Kortison-Nebenwirkungen. Besonders für das Gesicht (dünne Haut) eine gute Alternative – verschreibungspflichtig.


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Pflege-Routine: Hautbarriere stärken

Eine geschwächte Hautbarriere macht die Haut anfälliger für Schübe. Wenn Sie nach Pflegeprodukten suchen, lohnt es sich nach folgenden Inhaltsstoffen ausschauzuhalten:

  • Ceramide: bauen den natürlichen Schutzfilm der Haut wieder auf

  • Niacinamid: reduziert Rötungen, reguliert die Talgproduktion

  • Panthenol (Provitamin B5): beruhigt gereizte Haut, fördert Regeneration

Beim seborrhoischen Ekzem: leichte Texturen bevorzugen – reichhaltige Fettcremes können die Malassezia-Aktivität fördern.

Einige Betroffene berichten auch, dass MCT-Öl Ihnen erstaunlich gut hilft. Sie sollten es auf jeden Fall mal testen. Lesen Sie hier mehr zu MCT-Öl als Pflege-Routine.


Pflege-Routine: Trigger identifizieren und meiden

Die medikamentöse Behandlung allein reicht in der Regel nicht aus. Wer seine persönlichen Trigger kennt und aktiv meidet, kann Schübe deutlich reduzieren. Häufige Trigger:

  • Stress (psychisch und physisch)

  • Schlafmangel

  • Alkohol

  • Kälte und trockene Heizungsluft im Winter

  • Bestimmte Lebensmittel (individuell sehr verschieden)

  • Aggressive Pflegeprodukte (Alkohol, Parfüm, starke Schäumer)

Mehr dazu: Die eigenen Trigger herausfinden


Behandlungsplan: Ein Beispiel für den Alltag

Phase

Maßnahme

Akuter Schub

Ketoconazol-Shampoo täglich + ggf. niedrig dosiertes Kortison für 1 Woche

Abklingende Phase

Antifungales Shampoo 3x/Woche + Barrierepflege

Remission

Antifungales Shampoo 1x/Woche zur Erhaltung + Triggervermeidung

Dauermaßnahme

Reizarme Pflege, Stressmanagement, ausreichend Schlaf, wenig Alkohol


Was definitiv nicht hilft

  • Auf Besserung warten ohne aktiv zu handeln

  • Kortison als dauerhaftes Mittel

  • Jeden Monat neue Produkte testen ohne System

  • Schuppen abkratzen oder abreiben


Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich informativen Zwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei starken oder anhaltenden Beschwerden wende dich an einen Dermatologen.

Quellen & Studien

  1. Successful treatment and prophylaxis of scalp seborrhoeic dermatitis and dandruff with 2% ketoconazole shampoo: results of a multicentre, double-blind, placebo-controlled trial Peter RU, Richarz-Barthauer U · British Journal of Dermatology · 1995
  2. Clinical efficacy of a new ciclopiroxolamine/zinc pyrithione shampoo in scalp seborrheic dermatitis treatment Lorette G, Ermosilla V · European Journal of Dermatology · 2006
  3. A multicenter randomized trial of ketoconazole 2% and zinc pyrithione 1% shampoos in severe dandruff and seborrheic dermatitis Piérard-Franchimont C, Goffin V, Decroix J, Piérard GE · Skin Pharmacology and Applied Skin Physiology · 2002
  4. Seborrheic dermatitis — Looking beyond Malassezia Wikramanayake TC, Borda LJ, Miteva M, Paus R · Experimental Dermatology · 2019
  5. An update on the microbiology, immunology and genetics of seborrheic dermatitis Adalsteinsson JA, Kaushik S, Muzumdar S, Guttman-Yassky E, Ungar J · Experimental Dermatology · 2020