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Seborrhoische Dermatitis – viele Namen, eine Erkrankung

„Seborrhoische Dermatitis", „seborrhoisches Ekzem", „seborrhoische Dermatose" – je nachdem, welchen Arzt man fragt oder welchen Artikel man liest, begegnet einem ein anderer Begriff. Dabei beschreiben sie alle dasselbe: eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die bevorzugt an talgdrüsenreichen Stellen auftritt.

In diesem Artikel bekommst du einen vollständigen Überblick: Was genau ist seborrhoische Dermatitis, wo tritt sie auf, wie sieht sie aus – und was unterscheidet sie von ähnlichen Erkrankungen?


Was ist seborrhoische Dermatitis?

Seborrhoische Dermatitis ist eine nicht ansteckende, chronisch-entzündliche Hautreaktion, die vor allem dort auftritt, wo die Haut viele Talgdrüsen hat – sogenannte seborrhoische Zonen. Der Name leitet sich von „Seborrhö" ab, der übermäßigen Talgproduktion der Haut.

Die Erkrankung verläuft typischerweise schubweise: Phasen mit wenig oder keinen Symptomen wechseln sich mit Phasen stärkerer Beschwerden ab. Eine vollständige Heilung ist bisher nicht möglich – aber die Symptome lassen sich mit der richtigen Strategie sehr gut kontrollieren.

Wichtig: Seborrhoische Dermatitis ist keine Allergie, keine Infektion und kein Zeichen schlechter Hygiene. Sie ist eine immunologische Überreaktion auf einen natürlich vorkommenden Hefepilz der Haut.


Wo tritt sie auf?

Die seborrhoische Dermatitis befällt bevorzugt folgende Körperstellen:

  • Kopfhaut: die häufigste Lokalisation – als Kopfschuppen oft unterschätzt

  • Gesicht: Augenbrauen, Nasolabialfalten (neben der Nase), Nasenflügel, Stirn, Kinnbereich

  • Bartbereich: bei Männern mit Bart besonders häufig

  • Ohren und Gehörgang

  • Brust (Sternalbereich): fettiger, schuppiger Ausschlag auf dem Brustbein

  • Rücken (oberer Bereich)

  • Achseln und Leiste


Wie sieht seborrhoische Dermatitis aus?

Das Erscheinungsbild variiert je nach Lokalisation und Schweregrad:

Merkmal

Typisches Aussehen

Schuppen

Fettig, gelblich bis weißlich – haftet an der Haut oder den Haaren

Rötung

Diffuse, fleckige Rötungen – nicht scharf begrenzt

Hautoberfläche

Gleichzeitig fettig und empfindlich wirkend

Juckreiz

Mild bis mäßig, in Schüben stärker

Verlauf

Schubweise – gute Phasen wechseln sich mit Ausbrüchen ab


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Wer ist betroffen?

Seborrhoische Dermatitis ist eine der häufigsten Hauterkrankungen: Schätzungsweise 3–5 % der Bevölkerung sind betroffen. Männer erkranken etwas häufiger als Frauen. Zwei Altersgipfel sind bekannt:

  • Säuglinge (Milchschorf – verschwindet meist von selbst)

  • Erwachsene zwischen 30 und 60 Jahren (chronischer Verlauf)


Abgrenzung zu ähnlichen Erkrankungen

Erkrankung

Schuppen

Lokalisation

Besonderheit

Seborrhoische Dermatitis

Fettig, gelblich

Kopfhaut, Gesicht, Brust

Schubweise, talgdrüsenreich

Schuppenflechte (Psoriasis)

Trocken, silbrig

Ellenbogen, Knie, Kopfhaut

Erhabene Plaques, oft genetisch

Rosacea

Keine

Wangen, Nase

Rötung + Pusteln, Hitzetrigger

Kontaktekzem

Möglich

Nur Kontaktstelle

Auslöser identifizierbar


Ursachen kurz erklärt

Die seborrhoische Dermatitis entsteht durch das Zusammenspiel dreier Faktoren:

  1. Übermäßige Talgproduktion in seborrhoischen Zonen

  2. Der Hefepilz Malassezia, der den Talg verstoffwechselt und dabei reizende Substanzen produziert

  3. Eine überaktive Immunantwort auf diese Substanzen, die zur Entzündung führt

Mehr dazu im Artikel Seborrhoisches Ekzem im Gesicht: Ursachen, Symptome und die richtige Pflege.


Was tun?

Das Ziel bei seborrhoischer Dermatitis ist nicht Heilung, sondern Kontrolle. Die wichtigsten Stellschrauben:

  • Antifungale Wirkstoffe (Ketoconazol, Pyrithionzink, Ciclopirox) regulieren die Malassezia-Aktivität

  • Trigger kennen und meiden – hier erklären wir, wie das geht

  • Eine reizarme, konsequente Pflegeroutine aufbauen

  • Bei schweren Schüben einen Dermatologen aufsuchen


Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich informativen Zwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wende dich an einen Dermatologen.

Quellen & Studien

  1. Seborrheic dermatitis Sampaio ALS, Mameri ACA, Vargas TJS, Ramos-e-Silva M, Nunes AP, Carneiro SCS · Anais Brasileiros de Dermatologia · 2011
  2. The Global Prevalence of Seborrheic Dermatitis: A Systematic Review and Meta-Analysis JAMA Dermatology · 2024
  3. Seborrheic Dermatitis: Exploring the Complex Interplay with Malassezia Piacentini F, Camera E, Di Nardo A, Dell'Anna ML · International Journal of Molecular Sciences · 2025
  4. An update on the microbiology, immunology and genetics of seborrheic dermatitis Adalsteinsson JA, Kaushik S, Muzumdar S, Guttman-Yassky E, Ungar J · Experimental Dermatology · 2020