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Im Winter merken viele Menschen mit seborrhoischem Ekzem etwas Verwirrendes: Nicht nur die bekannten Problemzonen wie Kopfhaut, Nasenfalten und Augenbrauen melden sich zurück. Auch Unterschenkel, Unterarme oder Wangen fühlen sich plötzlich rau, spannend und schuppig an. Ist das jetzt derselbe Schub, der sich ausbreitet? Oder ein zweites, eigenständiges Problem?

Meistens ist es Letzteres: gewöhnliche trockene Haut (Xerose), die parallel zum seborrhoischen Ekzem auftritt. Nicht dieselbe Erkrankung, sondern zwei unterschiedliche Reaktionen auf dieselbe Jahreszeit. Warum der Winter beides begünstigt, erklärt der Artikel Warum wird das seborrhoische Ekzem im Winter schlimmer?. Dieser Artikel zeigt, wie du die beiden im Alltag auseinanderhältst und warum das für deine Pflegeroutine wichtig ist, die im Artikel Die Winter-Routine bei seborrhoischem Ekzem beschrieben wird.

Zwei verschiedene Probleme, eine ähnliche Jahreszeit

Kälte, trockene Heizungsluft und niedrige Luftfeuchte schwächen im Winter bei fast jedem die Hautbarriere. Bei den meisten Menschen führt das einfach zu trockener Haut. Bei Menschen mit seborrhoischem Ekzem passiert zusätzlich etwas anderes: Die geschwächte Barriere reagiert stärker auf den Hefepilz Malassezia, der ohnehin auf der Haut lebt und das treibt den entzündlichen SE-Schub an.

Das Ergebnis: Derselbe Winter kann bei derselben Person zwei Baustellen gleichzeitig verursachen: eine entzündliche (das SE, in seinen typischen Zonen) und eine rein trockenheitsbedingte (Xerose, oft in ganz anderen Zonen). Beide äußern sich mit Schuppen und Juckreiz, was die Verwechslung erklärt. Die Ursache, der Ort und vor allem die richtige Behandlung unterscheiden sich aber deutlich.

Die Unterscheidungsmerkmale im Überblick

Merkmal

Seborrhoisches Ekzem

Xerose (trockene Haut)

Lokalisation

Talgreiche Zonen: Kopfhaut, Augenbrauen, Nasenfalten, Ohren, obere Brust

Talgarme Zonen: Unterschenkel, Unterarme, Hände, Wangen

Schuppenart

Fettig, gelblich, oft mit Krustenbildung

Trocken, fein, weißlich-grau

Rötung

Deutlich, scharf begrenzte Plaques

Meist gering, eher gerötet-rau als entzündlich

Juckreiz

Vorhanden, häufig mit Brennen

Oft ausgeprägt, kann den Schlaf stören

Verlauf

Chronisch-wiederkehrend, an denselben Stellen

Stark witterungsabhängig, verschwindet mit Pflege

Reaktion auf reichhaltige Creme

Verbessert sich kaum, kann sich verschlechtern

Bessert sich meist deutlich

Lokalisation: wo viel Talg ist, oder wo wenig

Das seborrhoische Ekzem sitzt praktisch immer dort, wo besonders viele Talgdrüsen aktiv sind. Eine Übersichtsarbeit zu Häufigkeiten bei Erwachsenen nennt die Kopfhaut (88 %) und das Gesicht (70 %) als am häufigsten betroffene Regionen, gefolgt von der oberen Brust (rund 27 %), dazu typischerweise Nasen- und Wangenfalten sowie der Bereich hinter den Ohren.

Xerose macht fast das Gegenteil: Sie betrifft bevorzugt Unterschenkel, Unterarme und Hände. Zonen also, mit vergleichsweise wenigen Talgdrüsen, die im Winter kaum noch von der körpereigenen Fettproduktion geschützt werden. Wenn also plötzlich die Schienbeine oder die Handrücken spannen, ist das ein starkes Indiz für Xerose statt SE.

Schuppenart: fettig-gelb versus trocken-fein

Die SE-Schuppen werden in der Literatur als „fettige, gelbliche Schuppenkruste" beschrieben, oft auf leicht lachsfarbener, entzündeter Haut. Xerose-Schuppen sind dagegen trocken, fein und eher weißlich-grau, ohne den öligen Glanz.

In ausgeprägten Fällen kann trockene Haut in ein eigenes Krankheitsbild übergehen: das Eczema craquelé („Winterjucken"). Dabei entstehen feine Risse, die auf der Haut ein Muster wie bei aufgeplatztem, ausgetrocknetem Schlamm hinterlassen und das am häufigsten an den Schienbeinen. Der Juckreiz kann dabei so stark werden, dass er den Schlaf stört; in einer chinesischen Studie berichtete rund ein Viertel der Betroffenen von starkem Juckreiz. Eczema craquelé betrifft überwiegend Menschen über 60 und ist ein Warnzeichen dafür, dass eine einfache trockene Haut pflegerisch nicht mehr ausreichend versorgt wird.

Juckreiz: anders, aber nicht eindeutig unterscheidbar

Beide Zustände jucken – der Juckreiz allein ist also kein verlässliches Unterscheidungsmerkmal. Beim seborrhoischen Ekzem geht der Juckreiz häufig mit einem Brennen einher, besonders auf der Kopfhaut. Bei Xerose und vor allem beim Eczema craquelé kann der Juckreiz nachts so ausgeprägt werden, dass er den Schlaf stört – ein Hinweis, der eher für eine reine Trockenheitsreaktion spricht.

Das Ansprechen auf Pflege ist der praktischste Test

Der alltagstauglichste Hinweis ist oft: Was passiert, wenn du eine reichhaltige, rückfettende Creme aufträgst? Bei echter Xerose bessert sich die Haut meist innerhalb weniger Tage spürbar. Fachliteratur zu Xerose empfiehlt genau das – ölbasierte Cremes und Salben mit Wirkstoffen wie Ceramiden, Glycerin, Urea oder Vaseline.

Beim seborrhoischen Ekzem bringt dieselbe reichhaltige Pflege oft wenig oder verschlechtert die Lage sogar, weil sie den Hefepilz Malassezia zusätzlich mit Fetten versorgt. Bleibt die Besserung nach ein paar Tagen konsequenter, reichhaltiger Pflege aus oder wird es sogar schlimmer, spricht das für SE statt für einfache Trockenheit.


Der Mischfall: beides gleichzeitig

In der Praxis ist die Trennung selten so sauber wie in der Tabelle. Gerade im Winter haben viele Betroffene beides zur gleichen Zeit: einen SE-Schub auf Kopfhaut und in der T-Zone, während Wangen, Unterarme oder Schienbeine unabhängig davon einfach trocken sind.

Das ist auch der Grund, warum die Winter-Routine unterschiedliche Pflege für unterschiedliche Körperzonen vorsieht: leichte, nicht komedogene Pflege für die SE-Zonen, ruhig reichhaltigere Pflege für die restliche, nur trockene Haut. „Eine Creme für den ganzen Körper" wird der Situation im Winter oft nicht gerecht.

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Warum die Unterscheidung fürs Behandeln zählt

Diese Unterscheidung ist kein akademisches Detail – sie entscheidet direkt darüber, welche Pflege hilft und welche schadet:

- Xerose profitiert von reichhaltigen, okklusiven Produkten. Fachliteratur nennt ölbasierte Cremes, Vaseline, Ceramide und Urea als wirksam.

- Seborrhoisches Ekzem kann sich unter genau dieser Pflege verschlechtern, weil Malassezia sich von Hautfetten ernährt – schwere, fettreiche Produkte liefern dem Pilz zusätzliche Nahrung.

Wer eine trockene SE-Zone wie normale trockene Haut behandelt (viel Fett, viel Öl), riskiert einen stärkeren Schub. Wer umgekehrt eine rein trockene Zone nur mit leichter, magerer Pflege oder gar antimykotischem Shampoo behandelt, lässt sie unnötig lange spannen und schuppen. Die richtige Antwort auf „was hilft" hängt also davon ab, welches der beiden Probleme gerade vorliegt – manchmal zonenweise am selben Körper.

Wann du dir nicht sicher sein solltest

Manchmal lässt sich die Unterscheidung nicht eindeutig anhand von Lokalisation, Schuppenart und Ansprechen auf Pflege treffen. Ein Dermatologe oder eine Dermatologin sollte sich die Haut ansehen, wenn:

  • die Haut stark aufreißt, blutet oder schmerzt,

  • sich trotz konsequenter, passender Pflege nach zwei bis drei Wochen nichts bessert,

  • neue, untypische Stellen betroffen sind, die weder zum klassischen SE-Muster noch zu den üblichen Trockenheitszonen passen,

  • oder Anzeichen einer Infektion dazukommen (Nässen, Pusteln, zunehmende Schmerzen).

Häufige Fragen

Kann ich seborrhoisches Ekzem und trockene Haut gleichzeitig haben?

Ja, das ist im Winter sogar häufig. Beide werden durch dieselben Winterbedingungen begünstigt, sind aber unterschiedliche Reaktionen der Haut – oft an unterschiedlichen Körperstellen gleichzeitig.

Warum juckt trockene Haut abends und nachts oft schlimmer?

Bei stark ausgetrockneter Haut, besonders beim Eczema craquelé, kann der Juckreiz so ausgeprägt sein, dass er den Schlaf stört. Das ist ein typisches Merkmal reiner Trockenheitsreaktionen und tritt beim seborrhoischen Ekzem seltener in dieser Form auf.

Hilft eine reichhaltige Creme als „Test", um herauszufinden, was ich habe?

Als grober Anhaltspunkt ja: Bessert sich die Stelle innerhalb weniger Tage deutlich, spricht das für Xerose. Bleibt die Besserung aus oder wird es schlimmer, spricht das eher für ein SE. Ein verlässlicher Test ersetzt das aber nicht – bei Unsicherheit hilft eine fachärztliche Einschätzung.

Ist Eczema craquelé gefährlich?

Direkt gefährlich nicht, aber die tiefen Risse können sich entzünden oder infizieren, wenn sie nicht behandelt werden. Betrifft meist Menschen über 60 und Bereiche wie die Schienbeine. Bei starker Rissbildung oder Schmerzen lohnt sich eine ärztliche Abklärung.

Muss ich immer zum Arzt, um SE von trockener Haut zu unterscheiden?

Nicht zwingend – die Merkmale in diesem Artikel (Lokalisation, Schuppenart, Ansprechen auf Pflege) geben im Alltag eine gute Orientierung. Bei Unsicherheit, starken Beschwerden oder ausbleibender Besserung ist eine fachärztliche Einschätzung aber sinnvoll.

Quellen & Studien

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