Kortison bei seborrhoischem Ekzem: Was es kann und was nicht
Deine Haut ist gerötet und schuppt, und in der Praxis wurde dir eine Kortisoncreme verschrieben? Vielleicht fragst du dich jetzt, ob das gut geht. Kortison bei seborrhoischem Ekzem (SE) ist für die kurze Anwendung gut untersucht: Kurz und gezielt eingesetzt, beruhigt es Entzündung, Rötung und Juckreiz zuverlässig. Für die Dauerbehandlung ist es aber nicht gedacht. Wie lange, wo und wie stark, entscheidest du am besten gemeinsam mit deiner Hautärztin oder deinem Hautarzt.
Das Wichtigste in Kürze:
Kortison wirkt beim SE gegen die Entzündung, nicht gegen die Ursache.
Studien zeigen eine gute Wirkung bei kurzer Anwendung, meist über wenige Wochen.
Im Gesicht reichen oft schwache Präparate. Hier ist die Haut besonders empfindlich.
Für die langfristige Kontrolle sind Pilzmittel wie Ketoconazol die Basis.
Nicht eigenmächtig dauerhaft anwenden. Wenn du Kortison schon lange nutzt, plane das Beenden gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
So wirkt Kortison bei seborrhoischem Ekzem
Beim SE reagiert die Haut entzündlich auf den Hefepilz Malassezia, der auf jeder Haut lebt. Mehr dazu liest du im Artikel über das seborrhoische Ekzem. Kortison, genauer Kortikosteroide, sind entzündungshemmende Wirkstoffe. Sie dämpfen die Abwehrreaktion der Haut. Rötung, Schuppen und Juckreiz gehen dadurch zurück. Den Hefepilz selbst bekämpft Kortison nicht.
Was die Studien sagen
Eine große Auswertung von 36 Studien (ein sogenannter Cochrane-Review) hat entzündungshemmende Mittel bei SE an Gesicht und Kopfhaut untersucht. Das Ergebnis: Kortison führte in kurzen Studien bis vier Wochen deutlich öfter zu Haut ohne sichtbare Anzeichen des Ekzems als ein Scheinmedikament. Schwache und starke Präparate schnitten dabei ähnlich ab. Pilzmittel wie Ketoconazol waren bei der vollständigen Abheilung etwa gleich gut. Kortison verringerte Rötung und Schuppen aber etwas stärker. Pilzmittel haben dafür den Vorteil, dass sie auch länger angewendet werden können.
Wichtig ist auch, was die Studien nicht zeigen: Für eine Anwendung über Monate gibt es kaum Daten. Die meisten Studien waren klein und kurz.
Kortison im Gesicht und auf der Kopfhaut: Wo liegt der Unterschied?
Im Gesicht
Die Gesichtshaut ist dünn und nimmt Wirkstoffe leicht auf. Fachartikel empfehlen dort deshalb schwach bis mittelstark wirksames Kortison, und zwar nur kurz. In Deutschland teilt man Kortison für die Haut in vier Stärkeklassen ein, von schwach bis sehr stark. Da schwache Mittel in Studien ähnlich gut halfen wie starke, gibt es im Gesicht selten einen Grund für starke Präparate. Zu den schwachen gehört zum Beispiel Hydrocortison. Welche Klasse deine Creme hat, kann dir die Apotheke sagen. Einige schwache Kortisoncremes gibt es rezeptfrei. Lass beim ersten Mal trotzdem ärztlich prüfen, ob es wirklich ein SE ist, und halte dich an die Packungsbeilage. Was sonst bei SE im Gesicht hilft, steht im Artikel Seborrhoisches Ekzem im Gesicht.
Auf der Kopfhaut
Für die Kopfhaut gibt es Kortison zum Beispiel als Lösung oder Shampoo. Hier sind Wirkstoff-Shampoos mit Pilzmitteln meist der erste Schritt. Kortison kommt eher dazu, wenn die Entzündung stark ist oder Shampoos allein nicht reichen. Einen Überblick über die Wirkstoffe findest du im Artikel Shampoo gegen seborrhoisches Ekzem. Mehr zur Kopfhaut steht im Ratgeber Schuppen auf der Kopfhaut.
Wie lange darf Kortison bei seborrhoischem Ekzem angewendet werden?
Eine feste Zahl für alle gibt es nicht. Fachartikel raten, Kortison beim SE nur kurzzeitig einzusetzen. Wie viele Tage oder Wochen das sind, hängt von Präparat, Körperstelle und Schwere ab. Das legt deine Ärztin oder dein Arzt fest.
Das SE ist chronisch. Es kommt also oft wieder, auch nach erfolgreicher Behandlung. Deshalb setzen Fachleute für die Zeit danach auf Mittel, die länger angewendet werden können. Dazu gehören Pilzmittel wie Ketoconazol als Creme oder Shampoo. Kortison ist eher das Werkzeug für den akuten Schub. Wie sich die verschiedenen Möglichkeiten zusammenfügen, liest du im Überblick Seborrhoisches Ekzem behandeln.
Nebenwirkungen: Wann wird Kortison zum Problem?
Richtig angewendet ist Kortison für die Haut gut verträglich. In den SE-Studien traten Nebenwirkungen bei Kortison nicht häufiger auf als bei einem Scheinmedikament. Bei Neurodermitis, einer anderen Hauterkrankung, fanden Forschende bei Anwendung in Schüben über bis zu fünf Jahre kaum Hautverdünnung. Für das SE gibt es so lange Daten noch nicht.
Probleme entstehen vor allem bei falscher Nutzung, also lange, ohne Pause und mit starken Präparaten im Gesicht. Dann kann Folgendes passieren:
Hautverdünnung: Die Haut kann dünner und empfindlicher werden.
Periorale Dermatitis: kleine rote Knötchen rund um Mund und Nase. Eine Auswertung der Forschung sieht falsch genutztes Kortison als wichtigsten Auslöser.
Rötung und Brennen nach dem Absetzen: Fachleute nennen das Topical Steroid Withdrawal. Beschrieben wurde es fast nur im Gesicht und im Genitalbereich, meist nach monatelanger Nutzung starker Präparate ohne Pause. Mit einer Sucht hat das nichts zu tun.
Gibt es Alternativen?
Ja. Calcineurin-Hemmer wie Tacrolimus oder Pimecrolimus sind Wirkstoffe ohne Kortison, die ebenfalls Entzündungen dämpfen. Sie gelten als Ausweichmöglichkeit für empfindliche Stellen, an denen Kortison eher Nebenwirkungen macht. Im Cochrane-Review halfen sie ähnlich gut wie Kortison. Kurzfristig traten aber öfter Nebenwirkungen auf, vor allem Brennen beim Auftragen. Für das SE sind sie in Deutschland nicht offiziell zugelassen. Ärztinnen und Ärzte können sie trotzdem verordnen, das nennt man Off-Label-Anwendung.
Häufige Fehler im Alltag
Kortison wie eine Pflegecreme nutzen: Täglich und ohne Ende, weil es so gut hilft. Genau das erhöht das Risiko für Nebenwirkungen.
Reste anderer Rezepte verwenden: Eine starke Creme für den Körper ist nicht für dein Gesicht gedacht.
Pflege vergessen: Eine passende, leichte Feuchtigkeitspflege gehört auch in Schubphasen dazu.
Aus Angst ganz verzichten: Wenn Kortison ärztlich verordnet ist, nützt es oft schnell. Kurz und gezielt eingesetzt, ist das Risiko für Nebenwirkungen nach den Studien gering.
Wann solltest du ärztlich abklären lassen?
Lass deine Haut ärztlich anschauen, wenn:
die Stellen nässen, sich ausbreiten oder stark jucken,
du nach einigen Wochen Behandlung keine Besserung bemerkst,
du Kortison schon länger anwendest und nicht weißt, wie du es beenden sollst,
nach dem Absetzen Rötung, Brennen oder Knötchen auftreten,
ein Säugling oder ein Kind betroffen ist.
Häufige Fragen
Darf ich Kortisoncreme im Gesicht verwenden?
Ja, aber nur kurz und ärztlich begleitet. Im Gesicht werden meist schwache Präparate eingesetzt, weil die Haut dort dünn ist. Längere Anwendung kann zu Hautverdünnung oder zu Knötchen um den Mund führen.
Kommt das Ekzem nach dem Absetzen zurück?
Das ist häufig, weil das SE chronisch ist. Das liegt nicht unbedingt am Kortison. Deshalb wird nach dem Schub oft auf ein Pilzmittel gewechselt, das du länger anwenden kannst.
Ist Hydrocortison besser als andere Kortisonarten?
Hydrocortison gilt als schwach wirksames Kortison. Im Cochrane-Review halfen schwache und starke Mittel bei kurzer Anwendung ähnlich gut. Welches Präparat zu dir passt, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt.
Gibt es Kortison auch für die Kopfhaut?
Ja, zum Beispiel als Lösung oder Shampoo. Kortisonmittel kommen meist dazu, wenn ein Wirkstoff-Shampoo gegen Pilze allein nicht ausreicht. Auch hier gilt: kurz anwenden und ärztlich begleiten lassen.
Quellen & Studien
- Topical anti-inflammatory agents for seborrhoeic dermatitis of the face or scalp
- Topical anti-inflammatory agents for seborrheic dermatitis of the face or scalp: summary of a Cochrane Review
- Diagnosis and treatment of seborrheic dermatitis
- An Overview of the Diagnosis and Management of Seborrheic Dermatitis
- The long-term safety of topical corticosteroids in atopic dermatitis: A systematic review
- Perioral dermatitis: Diagnosis, proposed etiologies, and management
- A systematic review of topical corticosteroid withdrawal ("steroid addiction") in patients with atopic dermatitis and other dermatoses
- Off-label Uses of Topical Pimecrolimus