Seborrhoisches Ekzem bei Männern: Warum trifft es Männer häufiger?
Schuppen im Bart, rote Stellen an der Nase, eine juckende Kopfhaut: Dahinter steckt oft ein seborrhoisches Ekzem (SE): eine chronische, entzündliche Hauterkrankung mit Rötung und fettigen Schuppen an talgreichen Stellen. Es tritt bei Männern deutlich häufiger auf als bei Frauen. Die Forschung deutet darauf hin, dass die Talgbildung dabei mitspielt, die von männlichen Hormonen angetrieben wird. Hormone allein erklären das SE aber nicht. Wir zeigen, was die Studien zu Geschlecht, Alter und Hormonen wirklich sagen und was dir im Alltag hilft.
Wie viel häufiger haben Männer seborrhoisches Ekzem?
Die Zahlen aus großen Studien
Die größte Untersuchung aus Deutschland stammt aus freiwilligen Haut-Untersuchungen in über 500 Betrieben. Hautärztinnen und Hautärzte haben dabei mehr als 161.000 Beschäftigte untersucht. Ein SE fanden sie bei 4,6 Prozent der Männer, aber nur bei 1,4 Prozent der Frauen. Bei Männern war es also gut dreimal so häufig.
Eine große Bevölkerungsstudie aus Rotterdam (Niederlande) mit rund 5.500 Menschen ab dem mittleren Alter kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Männer hatten etwa doppelt so oft ein SE wie Frauen, auch wenn man Alter und andere Einflüsse berücksichtigt. Häufiger betroffen waren dort außerdem Menschen mit heller und trockener Haut. Im Winter wurde das SE öfter festgestellt als im Sommer.
Warum die Zahlen schwanken
Je nach Studie liegen Männer mal knapp, mal deutlich vorn. Eine Übersichtsarbeit nennt zum Beispiel nur einen kleinen Unterschied. Das hängt davon ab, wer untersucht wurde und wie genau. Die Richtung ist aber in allen Studien gleich: Männer sind häufiger betroffen.
Welche Rolle spielen Testosteron und andere Hormone?
Talgdrüsen hören auf männliche Hormone
Talgdrüsen sind kleine Drüsen in der Haut, die Hautfett bilden. Das Fett heißt Talg. Eine Übersicht zu Talgdrüsen beschreibt, dass sie vor allem von Androgenen gesteuert werden. Androgene sind männliche Geschlechtshormone wie Testosteron. Frauen bilden sie auch, aber in geringeren Mengen.
Laut einer Übersichtsarbeit bilden Männer mehr Talg, und das über eine längere Zeit ihres Lebens. Bei Frauen sinkt die Talgbildung nach den Wechseljahren deutlich schneller ab als bei Männern im gleichen Alter. Auf Talg lebt der Hefepilz Malassezia, der beim SE eine zentrale Rolle spielt. Mehr dazu liest du in Malassezia.
Was Hormone nicht erklären
Mehr Talg allein macht noch kein SE. Die Übersicht beschreibt, dass manche Menschen mit SE normal viel Talg bilden. Andere haben sehr fettige Haut und bekommen nie ein SE. Die Autorinnen und Autoren sehen in den Hormonen deshalb einen möglichen Faktor, keinen Beweis für eine Ursache.
Zum SE tragen nach heutigem Wissen mehrere Dinge bei: der Hefepilz, eine empfindliche Hautbarriere, die Reaktion des Immunsystems, Veranlagung und Umweltfaktoren. Einen Überblick findest du in Ursachen des seborrhoischen Ekzems.
Spielt das Alter eine Rolle?
Ja. Eine Übersicht beschreibt drei Phasen, in denen das SE besonders oft auftritt: in den ersten drei Lebensmonaten, in der Pubertät und im Erwachsenenalter mit einem Gipfel zwischen 40 und 60 Jahren. Das passt zur Talgbildung, die nach der Geburt und in der Pubertät ansteigt.
In der deutschen Betriebsstudie stieg die Häufigkeit mit dem Alter: 2,0 Prozent bei den unter 35-Jährigen, 3,6 Prozent zwischen 35 und 64 Jahren und 4,4 Prozent ab 65. Wenn dein SE erst mit 40 auftritt, ist das also nichts Ungewöhnliches.
Wo zeigt sich seborrhoisches Ekzem bei Männern?
Das SE betrifft talgreiche Stellen: Kopfhaut, Augenbrauen, Nasenfalten, hinter den Ohren und die Brust. Bei Männern kommt oft der Bart dazu. Unter den Barthaaren bleiben Talg und Schuppen leichter liegen, die Haut ist schwerer zu pflegen. Was dort hilft, beschreiben wir in Schuppen im Bart.
Viele Männer fragen sich außerdem, ob das SE die Haare ausdünnt. Wie beides zusammenhängt und wie du es vom erblich bedingten Haarausfall unterscheidest, erklären wir in Seborrhoisches Ekzem und Haarausfall.
Was hilft Männern mit seborrhoischem Ekzem?
Die Behandlung unterscheidet sich nicht nach Geschlecht. Typisch ist ein Stufenplan:
Wirkstoff-Shampoos mit Pilzmitteln wie Ketoconazol oder Ciclopirox, die Malassezia zurückdrängen, für Kopfhaut und Bart,
Cremes gegen Pilze für Gesicht und Bartrand,
entzündungshemmende Mittel für kurze Zeit, wenn die Haut stark gerötet ist, ärztlich begleitet,
eine Erhaltungsroutine, etwa das Wirkstoff-Shampoo nach dem Abklingen in größeren Abständen weiter zu nutzen, damit Schübe seltener werden.
Einen vollständigen Überblick gibt Seborrhoisches Ekzem behandeln. Hormonbehandlungen gegen SE gehören nicht zur üblichen Therapie.
Im Alltag kann es helfen, den Bart regelmäßig zu waschen und gründlich auszuspülen.
Wann solltest du ärztlich abklären lassen?
Lass deine Haut in der Haus- oder Hautarztpraxis anschauen, wenn:
du dir unsicher bist, ob es wirklich ein SE ist,
die Stellen nässen, stark jucken oder sich ausbreiten,
sich nach einigen Wochen mit Wirkstoff-Shampoo oder Creme nichts bessert,
das SE plötzlich sehr stark wird oder du dich zusätzlich krank fühlst.
Häufige Fragen
Warum haben Männer häufiger seborrhoisches Ekzem?
Sicher geklärt ist das nicht. Die Forschung deutet darauf hin, dass die stärkere und länger anhaltende Talgbildung bei Männern eine Rolle spielt. Von Talg ernährt sich der Hefepilz Malassezia.
Macht Testosteron das seborrhoische Ekzem schlimmer?
Dafür gibt es keinen direkten Beleg. Testosteron fördert die Talgbildung, aber mehr Talg führt nicht zwangsläufig zu einem SE. Sprich hormonelle Fragen mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.
Bekommen Frauen in den Wechseljahren seltener seborrhoisches Ekzem?
Nach den Wechseljahren sinkt die Talgbildung bei Frauen. Ob das SE dadurch seltener wird, ist kaum untersucht. Bei manchen Frauen bleibt es auch danach bestehen.
Ist seborrhoisches Ekzem ab 40 normal?
Das SE ist im mittleren Erwachsenenalter häufig. Der Gipfel liegt laut Studien zwischen 40 und 60 Jahren. Es ist gut behandelbar, auch wenn es oft wiederkommt. Mehr zum Verlauf liest du auf unserer Übersichtsseite zum seborrhoischen Ekzem.
Quellen & Studien
- Epidemiology and dermatological comorbidity of seborrhoeic dermatitis: population-based study in 161 269 employees
- Prevalence and determinants of seborrhoeic dermatitis in a middle-aged and elderly population: the Rotterdam Study
- Seborrheic Dermatitis and Dandruff: A Comprehensive Review
- An updated review of the sebaceous gland and its role in health and diseases Part 1: Embryology, evolution, structure, and function of sebaceous glands