Malassezia: der Hefepilz, der auf fast jeder Haut lebt
Wer zum ersten Mal von seborrhoischem Ekzem (SE) liest, stößt schnell auf den Namen Malassezia. Malassezia ist ein Hefepilz, der ganz natürlich auf der Haut fast aller Menschen lebt. Beim SE spielt er eine zentrale Rolle, ist aber nicht der alleinige Grund. Wir erklären, was Malassezia ist, warum er Talg braucht und warum Mittel gegen Pilze beim SE so oft helfen.
Was ist Malassezia?
Ein Mitbewohner der Haut
Malassezia ist eine Gruppe von Hefepilzen. Der Pilz gehört zur normalen Hautflora, also zu den Mikroben, die natürlich auf unserer Haut leben. Fachleute gehen davon aus, dass Malassezia weltweit auf der Haut praktisch aller Menschen vorkommt. Auch viele warmblütige Tiere tragen ihn. Außerhalb der Haut von Mensch und Tier findet man ihn dagegen selten.
Bekannt sind heute mindestens 14 Arten. Acht davon werden mit dem Menschen in Verbindung gebracht. Ältere Texte nennen oft Malassezia furfur. Das ist aber nur eine von vielen Arten. Auf der Kopfhaut finden sich besonders häufig Malassezia globosa und Malassezia restricta. Diese beiden Arten werden am häufigsten mit Schuppen und SE in Verbindung gebracht.
Kein klassischer Hautpilz
Malassezia ist nicht verwandt mit den Hautpilzen, die zum Beispiel Fußpilz verursachen. Diese sogenannten Dermatophyten befallen Haut und Nägel als Erreger. Malassezia lebt dagegen meist friedlich auf der Hautoberfläche. Probleme entstehen erst, wenn die Haut auf ihn entzündlich reagiert. Weil fast jeder Mensch Malassezia ohnehin trägt, ist das SE auch nicht ansteckend. Mehr dazu in Seborrhoisches Ekzem ansteckend?.
Warum Malassezia Talg braucht
Malassezia hat eine Besonderheit: Die meisten Arten können bestimmte Fettsäuren, die sie zum Leben brauchen, nicht selbst bilden. Der Pilz holt sich diese Fette deshalb aus dem Talg der Haut. Dazu besitzt er viele Lipasen, also Enzyme, die Fett zerlegen.
Das erklärt, warum er vor allem dort lebt, wo viele Talgdrüsen sitzen: auf der Kopfhaut, im Gesicht und auf der Brust. Genau das sind auch die typischen Stellen des SE.
Malassezia und andere Hauterkrankungen
Malassezia wird nicht nur mit dem SE in Verbindung gebracht:
Kleienpilzflechte (Pityriasis versicolor): eine oberflächliche Pilzerkrankung der Haut. Hier gilt Malassezia als gesicherter Auslöser.
Malassezia-Follikulitis: eine Entzündung der Haarfollikel, also der kleinen Taschen, aus denen die Haare wachsen. Oft wird sie „Pilzakne“ genannt. Mehr dazu in Pilzakne oder seborrhoisches Ekzem.
Neurodermitis: Etwa die Hälfte der Erwachsenen mit Neurodermitis zeigt eine allergische Reaktion auf Malassezia. Zur Abgrenzung lies Neurodermitis oder seborrhoisches Ekzem.
Selten kann Malassezia in den Blutkreislauf gelangen. Betroffen sind fast nur Frühgeborene auf der Intensivstation und Menschen mit stark geschwächter Abwehr. Für gesunde Menschen mit SE spielt das keine Rolle.
Welche Rolle spielt Malassezia beim seborrhoischen Ekzem?
Die Abbauprodukte reizen die Haut
Wenn Malassezia den Talg zerlegt, entstehen freie Fettsäuren, etwa Ölsäure. Die Forschung deutet darauf hin, dass diese Fettsäuren die äußerste Hautschicht stören können. Diese Schicht nennt man Hautbarriere, sie schützt vor Reizstoffen und Wasserverlust. Ist sie gestört, kann sich die Haut leichter entzünden und schuppen. Hautzellen schütten dann Botenstoffe aus, die die Entzündung weiter anfachen.
Nicht die Menge allein entscheidet
Die Menge an Malassezia auf der Haut passt nicht immer zur Stärke der Beschwerden. Manche Studien fanden bei stärkerem SE mehr Pilze, andere keinen klaren Zusammenhang. In einem Versuch trugen Forschende Ölsäure auf die Kopfhaut auf. Nur bei Menschen mit Schuppen begann die Haut zu schuppen, bei den anderen nicht. Schuppen gelten dabei als milde Form des SE auf der Kopfhaut.
Fachleute sprechen deshalb von drei Bausteinen: dem Pilz, dem Talg und der persönlichen Empfindlichkeit der Haut. Zu dieser Empfindlichkeit tragen das Abwehrsystem und vermutlich Erbanlagen bei. Einen Überblick über alle Faktoren findest du in Seborrhoisches Ekzem: Ursachen.
Ist seborrhoisches Ekzem also eine Pilzinfektion?
Nicht im üblichen Sinn. Bei einer Infektion dringt ein fremder Erreger ein. Malassezia ist dagegen schon vorher da. Beim SE reagiert die Haut auf ihn und seine Abbauprodukte stärker als bei anderen Menschen. Wie genau Malassezia das SE verschlimmert, wird weiter erforscht.
Warum Mittel gegen Pilze beim SE helfen
Ein starkes Argument für die Rolle von Malassezia kommt aus der Behandlung. Viele Wirkstoffe, die gegen SE und Schuppen helfen, sind chemisch sehr verschieden. Gemeinsam haben sie vor allem eins: Sie hemmen Pilze. Dazu gehören zum Beispiel Ketoconazol, Ciclopirox und Selendisulfid. Weniger Pilze bedeuten weniger reizende Fettsäuren, und damit oft weniger Schuppen und Juckreiz.
Pilzhemmende Mittel sind deshalb die Grundlage der Behandlung: als Shampoo auf der Kopfhaut, als Creme oder Gel im Gesicht und am Körper. Wirkstoff-Shampoos lassen sich auch langfristig einsetzen. Mehr dazu in Ketoconazol Shampoo.
Den Pilz in Schach halten statt ihn auszurotten
Weil Malassezia zur normalen Haut gehört, ist das Ziel nicht, ihn für immer loszuwerden. Es geht darum, ihn in Schach zu halten. Deshalb empfehlen Fachleute oft eine Erhaltungsbehandlung: Du nutzt dein pilzhemmendes Shampoo auch in ruhigen Phasen regelmäßig weiter. Musst du dir Sorgen machen, der Haut damit etwas wegzunehmen? Ob Malassezia der Haut nützt, ist nicht bekannt. Viele Menschen nutzen solche Shampoos aber über Jahre ohne Probleme. Wie eine Erhaltungsbehandlung aussieht, liest du in Seborrhoisches Ekzem vorbeugen.
Wann solltest du ärztlich abklären lassen?
Lass deine Haut ärztlich anschauen, wenn:
du unsicher bist, ob deine Beschwerden zum SE passen,
Wirkstoff-Shampoos oder Cremes nach einigen Wochen nicht helfen,
Stellen nässen, stark jucken oder sich schnell ausbreiten,
das SE plötzlich viel stärker wird als gewohnt,
neue Flecken oder Pickel auftauchen, die anders aussehen als dein SE,
dein Baby schuppige Stellen hat (beim Säugling heißt das SE Kopfgneis) und diese nässen oder sich ausbreiten.
Häufige Fragen
Kann man Malassezia ganz loswerden?
Nein, und das ist auch nicht das Ziel. Malassezia gehört zur normalen Haut fast aller Menschen. Eine Behandlung kann die Menge senken und so die Beschwerden lindern.
Ist Malassezia gefährlich?
Für gesunde Menschen nicht. Meist lebt er unauffällig auf der Haut. Gefährlich werden kann er nur in seltenen Fällen bei Frühgeborenen oder bei stark geschwächter Abwehr.
Hilft eine Ernährung ohne Zucker gegen Malassezia?
Malassezia ernährt sich von Hautfett, nicht von Zucker im Essen. Ob eine bestimmte Ernährung den Pilz auf der Haut beeinflusst, ist nicht belegt. Was Studien zur Ernährung beim SE zeigen, liest du in unserem Artikel zur Ernährung bei seborrhoischem Ekzem.
Kann man Malassezia nachweisen?
Ja, im Labor oder unter dem Mikroskop. Weil der Pilz aber auch auf gesunder Haut lebt, beweist ein Nachweis allein noch kein SE. Die Diagnose stellt die Hautärztin oder der Hautarzt meist anhand des Hautbilds. Mehr dazu in unserem Ratgeber zum seborrhoischen Ekzem.
Quellen & Studien
- Malassezia fungi are specialized to live on skin and associated with dandruff, eczema, and other skin diseases
- The Malassezia genus in skin and systemic diseases
- Seborrheic Dermatitis and Dandruff: A Comprehensive Review
- Three etiologic facets of dandruff and seborrheic dermatitis: Malassezia fungi, sebaceous lipids, and individual sensitivity
- Isolation and expression of a Malassezia globosa lipase gene, LIP1
- Diagnosis and treatment of seborrheic dermatitis