Ist seborrhoisches Ekzem ansteckend? Die kurze Antwort
Rote, schuppige Stellen im Gesicht oder auf der Kopfhaut wirken auf andere manchmal wie eine Infektion. Viele fragen sich deshalb: Ist ein seborrhoisches Ekzem ansteckend? Nein. Ein seborrhoisches Ekzem (SE) überträgt sich nicht durch Berührung, Küssen, ein geteiltes Handtuch oder ein gemeinsames Kopfkissen. Hier liest du, warum das so ist, obwohl ein Hefepilz beteiligt ist, und welche ähnlich aussehenden Hautprobleme tatsächlich übertragbar sind.
Warum das seborrhoische Ekzem nicht übertragbar ist
Eine große Übersichtsarbeit, also eine Auswertung vieler Einzelstudien, hält fest: Das SE ist weder ansteckend noch lebensgefährlich. Das liegt an der Art, wie es entsteht.
Der Hefepilz lebt ohnehin auf fast jeder Haut
Beim SE spielt der Hefepilz Malassezia eine zentrale Rolle. Dieser Pilz gehört aber zur normalen Hautflora, also zu den Mikroben, die ganz natürlich auf unserer Haut leben. Er findet sich auch auf gesunder Haut, und zwar weltweit bei fast allen Menschen. Du kannst dir also nichts „einfangen“, was du nicht ohnehin schon trägst.
Malassezia ernährt sich von Hautfett, dem Talg. Deshalb sitzt er vor allem dort, wo viele Talgdrüsen sind: Kopfhaut, Gesicht, Brust. Mehr über diesen Pilz liest du in Malassezia: Was der Hefepilz mit seborrhoischem Ekzem zu tun hat.
Entscheidend ist die Reaktion der eigenen Haut
Warum bekommen dann nicht alle ein SE? Die Forschung deutet darauf hin, dass nicht der Pilz allein entscheidet. Wichtig ist, wie die eigene Haut auf ihn und seine Abbauprodukte reagiert. Malassezia spaltet den Talg und setzt dabei Fettsäuren frei. Bei Menschen mit SE reizen diese Stoffe die Haut stärker. Eine Studie hat das an der Kopfhaut getestet. Forschende trugen eine solche Fettsäure auf. Die Kopfhaut begann nur bei Menschen mit Schuppen zu schuppen, die übrigen reagierten nicht. Schuppen gelten als milde Form des SE auf der Kopfhaut.
Dazu kommen die Talgmenge, das Abwehrsystem und eine empfindlichere Hautbarriere. Damit ist die äußerste Hautschicht gemeint, die vor Reizstoffen schützt. All diese Eigenschaften gehören zu deinem Körper. Sie lassen sich nicht auf einen anderen Menschen übertragen.
Auch bei geschwächter Abwehr nicht ansteckend
Bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem, etwa bei einer fortgeschrittenen HIV-Infektion, tritt das SE deutlich häufiger und stärker auf. Das SE ist dann eine Folge der geschwächten Abwehr. Ansteckend ist es auch in diesem Fall nicht. Tritt ein SE plötzlich sehr ausgeprägt auf, sollte der Grund ärztlich geklärt werden.
Partner, Kinder, Familie: was gilt im Alltag?
Küssen, Kuscheln, Handtücher teilen
Weil das SE nicht ansteckend ist, musst du wegen des SE im Alltag nichts getrennt halten. Ob ihr Handtücher teilt, ist eine Frage der allgemeinen Hygiene, nicht des SE. Auch beim Sex überträgt sich das SE nicht. Wenn du Stellen im Intimbereich hast, hilft dir unser Artikel Seborrhoisches Ekzem im Intimbereich bei der Einordnung.
Kopfgneis beim Baby
Auch der Kopfgneis, das SE bei Säuglingen, steckt weder Geschwister noch andere Kinder in der Kita an. Der Auslöser kommt nämlich von innen. Fachleute vermuten, dass mütterliche Hormone die Talgdrüsen des Babys nach der Geburt anregen. Beim Baby verschwindet das SE meist von selbst. Mehr dazu in Kopfgneis beim Baby.
Wenn mehrere in der Familie betroffen sind
Haben Eltern und Kinder beide ein SE, steckt keine Ansteckung dahinter. Die Forschung zeigt, dass Erbanlagen die Hautbarriere und damit die Anfälligkeit beeinflussen können. Weitergegeben wird also höchstens eine Veranlagung, nicht die Erkrankung selbst.
Wann ein Hautausschlag doch ansteckend sein kann
Nicht jede schuppige Stelle ist ein SE. Manche Hautprobleme sehen ähnlich aus und sind übertragbar. Deshalb lohnt sich eine sichere Diagnose.
Pilzinfektionen der Haut
Echte Hautpilze, sogenannte Dermatophyten, sind ganz andere Pilze als Malassezia. Zu ihnen gehört zum Beispiel der Erreger von Fußpilz. Die Pilzinfektion der Kopfhaut (Tinea capitis) gilt als sehr ansteckend. Typisch sind schuppige Stellen mit Haarausfall und abgebrochenen Haaren. Kahle Stellen mit abgebrochenen Haaren gehören dagegen nicht zum typischen Bild des SE. Wie du einen Hautpilz im Gesicht vom SE unterscheidest, liest du in Hautpilz im Gesicht oder seborrhoisches Ekzem.
Bakterien auf entzündeter Haut
Die wichtigste Komplikation beim SE ist eine zusätzliche Infektion mit Bakterien. Die Stellen werden dann röter, nässen stärker und brennen. Ob und wie ansteckend so eine Infektion ist, hängt vom Erreger ab und gehört ärztlich geklärt. Das SE selbst wird dadurch nicht ansteckend.
Was stattdessen wirklich hilft
Du musst niemanden vor deinem SE schützen. Sinnvoller ist es, das SE selbst gut zu behandeln. Im Mittelpunkt stehen pilzhemmende Mittel, etwa Wirkstoff-Shampoos oder Cremes. Entzündungshemmende Mittel kommen bei Bedarf für kurze Zeit dazu, ärztlich begleitet. Einen Überblick findest du in Seborrhoisches Ekzem behandeln.
Wann solltest du ärztlich abklären lassen?
Lass deine Haut ärztlich anschauen, wenn:
du unsicher bist, ob es überhaupt ein SE ist,
auf der Kopfhaut kahle Stellen oder abgebrochene Haare auftreten,
Stellen nässen, gelbe Krusten bilden, brennen oder sich schnell ausbreiten,
mehrere Menschen in deinem Umfeld zur gleichen Zeit ähnliche neue Stellen bekommen,
das SE plötzlich stark auftritt oder trotz Behandlung nicht besser wird,
dein Baby betroffen ist und die Stellen nässen, sich ausbreiten oder jucken.
Wie die Diagnose in der Praxis abläuft, erklären wir in Seborrhoisches Ekzem: Diagnose beim Hautarzt.
Häufige Fragen
Ist seborrhoisches Ekzem übertragbar, wenn es ein Pilz ist?
Nein. Der beteiligte Hefepilz Malassezia lebt auf der Haut fast aller Menschen, auch ohne SE. Das SE entsteht durch die Reaktion der eigenen Haut auf diesen Pilz, nicht durch eine Übertragung.
Kann ich meinen Partner mit seborrhoischem Ekzem anstecken?
Nein, auch nicht durch Küssen, Kuscheln oder Sex. Wenn dein Partner oder deine Partnerin ebenfalls ein SE hat, liegt das an der eigenen Veranlagung.
Ist Kopfgneis ansteckend?
Nein. Kopfgneis ist das SE beim Säugling und überträgt sich nicht auf andere Kinder. Dein Baby muss deshalb nicht von anderen Kindern ferngehalten werden.
Ist seborrhoisches Ekzem vererbt?
Vererbt wird nicht die Erkrankung, sondern höchstens eine Neigung dazu. Bestimmte Erbanlagen können die Hautbarriere beeinflussen. Ob jemand ein SE bekommt, hängt aber von mehreren Faktoren ab. Einen Überblick über das Krankheitsbild findest du in unserem Ratgeber zum seborrhoischen Ekzem.
Quellen & Studien
- Seborrheic Dermatitis and Dandruff: A Comprehensive Review
- Malassezia fungi are specialized to live on skin and associated with dandruff, eczema, and other skin diseases
- Three etiologic facets of dandruff and seborrheic dermatitis: Malassezia fungi, sebaceous lipids, and individual sensitivity
- An Overview of the Diagnosis and Management of Seborrheic Dermatitis
- Diagnosis and treatment of seborrheic dermatitis