Geprüfter Inhalt

Seborrhoisches Ekzem und Ernährung: Was du realistisch erwarten kannst

Viele Menschen mit seborrhoischem Ekzem (SE) fragen sich irgendwann, ob sie mit der richtigen Ernährung ihre Haut beruhigen können. Die ehrliche Antwort: Eine Diät, die das SE nachweislich bessert, gibt es bisher nicht. Einige Studien finden aber Zusammenhänge, etwa mit Obst, Zucker und Alkohol. Hier zeigen wir dir, was dahintersteckt und wie belastbar diese Hinweise sind.

Eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft kommt zu dem Schluss, dass die Datenlage für konkrete Ernährungsempfehlungen beim SE noch zu dünn ist. Das heißt nicht, dass Ernährung egal ist. Es heißt nur: Vieles ist offen.

Warum könnte Ernährung beim SE überhaupt eine Rolle spielen?

Beim SE kommen mehrere Dinge zusammen. Die Haut bildet an manchen Stellen viel Talg, also hauteigenes Fett. Davon lebt der Hefepilz Malassezia, der auf fast jeder Haut vorkommt. Beim SE reagiert die Haut auf ihn mit einer Entzündung, und die Hautbarriere wird geschwächt. Mehr dazu liest du in Ursachen des seborrhoischen Ekzems.

Forschende vermuten, dass Ernährung jeden dieser Schritte beeinflussen könnte: die Talgbildung, die Entzündung und die Barriere. Ob das im Alltag messbar etwas ändert, ist aber kaum untersucht. Eine zweite, systematische Übersichtsarbeit von 2024 fand weltweit nur 13 passende Studien. Die meisten davon haben Menschen nur zu einem Zeitpunkt befragt oder Betroffene mit Gesunden verglichen. Solche Studien zeigen Zusammenhänge, aber keine Ursache.

Was Studien zu Obst, Zucker und Alkohol zeigen

Obst: Hinweise aus einer großen Studie

Eine große Untersuchung stammt aus der Rotterdam-Studie in den Niederlanden. Dort wurden über 4.300 Erwachsene hautärztlich untersucht und zu ihrer Ernährung befragt. Wer viel Obst aß, hatte ein um etwa ein Viertel geringeres Risiko für ein SE.

Bei Frauen zeigte sich außerdem: Eine „westliche“ Ernährung, also eine Ernährungsweise, wie sie in Industrieländern verbreitet ist, ging mit häufigerem SE einher. Bei Männern fand sich dieser Zusammenhang nicht.

Zucker und schnelle Kohlenhydrate

Eine kleinere Studie aus der Türkei verglich 49 Menschen mit SE und 40 ohne SE. Die Betroffenen aßen im Schnitt Lebensmittel mit höherer glykämischer Last. Das bedeutet: Ihre Mahlzeiten ließen den Blutzucker stärker ansteigen. Gleichzeitig enthielt ihre Ernährung weniger Antioxidantien. Das sind Stoffe, die Zellen vor bestimmten schädlichen Reaktionen schützen und zum Beispiel in Obst und Gemüse stecken. Bei schwerem SE war die glykämische Last höher als bei leichtem.

Das klingt eindeutig, ist es aber nicht. Die Studie ist klein, und sie kann nicht zeigen, ob die Ernährung das SE beeinflusst oder ob andere Faktoren dahinterstecken.

Alkohol: die meisten Studien zeigen in dieselbe Richtung

Zu Alkohol sind die Hinweise vergleichsweise einheitlich. Die meisten Studien in der Übersichtsarbeit von 2024 finden einen Zusammenhang zwischen regelmäßigem Alkoholkonsum und SE.

Eine französische Studie hat gezielt nach Auslösern für Schübe gesucht. Menschen mit einem akuten Schub tranken häufiger regelmäßig Alkohol als Vergleichspersonen. Die Forschenden haben die Betroffenen zusätzlich mit sich selbst verglichen, also Schub gegen schubfreie Zeit. Dabei war der Zusammenhang mit Alkohol schwächer und statistisch nicht mehr sicher. Ein klarer Beweis ist das also nicht. Wenn du aber merkst, dass deine Haut nach Alkohol unruhiger wird, ist das ein guter Grund, weniger zu trinken.

Vitamine und Mineralstoffe: niedrige Werte, offene Fragen

In mehreren Studien hatten Menschen mit SE im Blut niedrigere Werte an Zink sowie an den Vitaminen D und E. Ob die niedrigen Werte das SE begünstigen oder eine Folge der Entzündung sind, ist unklar. Studien, die prüfen, ob eine Einnahme von Zink oder Vitaminen hilft, fehlen bisher.

Einen eigenen Artikel zum Thema Vitamin D findest du unter Begünstigt Vitamin-D-Mangel das seborrhoische Ekzem?. Wenn du einen Mangel vermutest, lass deine Werte ärztlich bestimmen, bevor du Präparate einnimmst.

Das könnte dich auch interessieren
Pilzakne oder seborrhoisches Ekzem: so erkennst du den Unterschied Pilzakne oder seborrhoisches Ekzem: so erkennst du den Unterschied Seborrhoische Dermatitis: Was es ist, wie es aussieht und was hilft Seborrhoische Dermatitis: Was es ist, wie es aussieht und was hilft

Ernährung im Alltag: Was du tun kannst

Was du ausprobieren kannst

Aus den Studien lässt sich kein Speiseplan ableiten. Ein paar Schritte sind aber vernünftig und gut für die allgemeine Gesundheit:

  • Viel Obst und Gemüse essen

  • Weniger stark verarbeitete Lebensmittel und weniger Süßes

  • Alkohol reduzieren, besonders wenn du einen Zusammenhang mit Schüben bemerkst

Eigene Auslöser beobachten

In einer Befragung aus Saudi-Arabien gab fast die Hälfte der Menschen mit SE an, dass kein Lebensmittel ihre Haut verschlechtert. Die anderen nannten am häufigsten scharfes Essen, Süßigkeiten, Frittiertes und Milchprodukte. Das sind persönliche Eindrücke, keine Belege. Sie zeigen aber, wie unterschiedlich Menschen reagieren.

Ein Haut- und Ernährungstagebuch über einige Wochen kann dir helfen, deine eigenen Muster zu erkennen. Wie das geht, zeigen wir in Die eigenen Trigger herausfinden.

Häufige Fehler

  • Strenge Diäten auf Verdacht: Wer viele Lebensmittel auf einmal weglässt, riskiert eine einseitige Ernährung, ohne zu wissen, was hilft.

  • Ernährung statt Behandlung: Die Grundlage bleibt die Behandlung der Haut selbst. Einen Überblick gibt unser Artikel Seborrhoisches Ekzem behandeln.

  • Zu schnell urteilen: Das SE verläuft in Schüben. Eine Besserung nach einer Woche kann auch Zufall sein.

Wann solltest du ärztlich abklären lassen?

Lass deine Haut hautärztlich anschauen, wenn die Stellen nässen oder sich ausbreiten, wenn starker Juckreiz dich belastet oder wenn sich nach einigen Wochen Behandlung nichts bessert. Das gilt auch, wenn du den Verdacht auf einen Nährstoffmangel hast oder deine Ernährung stark umstellen möchtest. Bei Säuglingen und Kleinkindern gehört jede Ernährungsänderung in ärztliche Begleitung.

Häufige Fragen

Hilft es, auf Zucker zu verzichten?

In einer kleinen Studie ließ die Ernährung von Menschen mit SE den Blutzucker stärker ansteigen als die von Menschen ohne SE. Ob weniger Zucker das SE bessert, wurde aber nicht geprüft. Weniger Süßes schadet nicht, eine sichere Wirkung auf die Haut hat es aber nicht.

Darf ich bei seborrhoischem Ekzem Milchprodukte essen?

Für Milchprodukte gibt es beim SE keine Studien, die einen Schaden belegen. Einige Betroffene berichten, dass sie Milchprodukte schlechter vertragen. Wenn du das vermutest, beobachte es gezielt, statt Milch pauschal zu streichen.

Helfen Omega-3-Fettsäuren oder Nahrungsergänzungsmittel?

Für Omega-3-Fettsäuren gibt es beim SE bisher keine aussagekräftigen Studien. Auch für Zink, Vitamin D oder Vitamin E fehlen Studien, die eine Wirkung der Einnahme zeigen. Bei einem nachgewiesenen Mangel ist ein ärztlich begleiteter Ausgleich sinnvoll.

Hat der Darm etwas mit dem seborrhoischen Ekzem zu tun?

Die Forschung untersucht eine Verbindung zwischen Darm und Haut, die sogenannte Darm-Haut-Achse. Bei anderen Hauterkrankungen wie Rosazea gibt es dazu erste Hinweise. Für das SE lassen sich daraus noch keine Empfehlungen ableiten.

Kann ich mit der richtigen Ernährung Rückfällen vorbeugen?

Belegt ist das nicht. Welche anderen Wege es gibt, Rückfälle seltener zu machen, liest du in Seborrhoisches Ekzem vorbeugen. Einen Überblick über das Krankheitsbild gibt unser Ratgeber Seborrhoisches Ekzem.

Quellen & Studien

  1. Nutrition, Obesity, and Seborrheic Dermatitis: Systematic Review Woolhiser E, Keime N, Patel A, Weber I, Adelman M, Dellavalle RP · JMIR Dermatology · 2024
  2. Association between Diet and Seborrheic Dermatitis: A Cross-Sectional Study Sanders MGH, Pardo LM, Ginger RS, Kiefte-de Jong JC, Nijsten T · Journal of Investigative Dermatology · 2019
  3. Investigating the role of dietary glycemic factors and antioxidant capacity, metabolic status, and oxidative stress in seborrheic dermatitis: A case-control study Semiz Y, Aktaş E · Journal of the American Academy of Dermatology · 2025
  4. Risk Factors for Seborrhoeic Dermatitis Flares: Case-control and Case-crossover Study Lancar R, Missy P, Dupuy A, et al. · Acta Dermato-Venereologica · 2020
  5. The impact of clinical nutrition on inflammatory skin diseases Gürtler A, Laurenz S · Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft · 2022
  6. Association Between Diet and Seborrheic Dermatitis: A Case-Control Study Alshaebi M, Zahed L, Osaylan M, et al. · Cureus · 2023