Pickel, die jucken: Pilzakne oder seborrhoisches Ekzem?
Kleine, juckende Pickel auf Brust, Rücken oder Stirn, die auf Aknemittel nicht reagieren: Dahinter kann eine sogenannte Pilzakne stecken. Medizinisch heißt sie Malassezia-Follikulitis. Sie wird oft mit Akne verwechselt, manchmal auch mit dem seborrhoischen Ekzem (SE). Kurz gesagt: Beide hängen mit demselben Hefepilz zusammen, sehen aber verschieden aus. Pilzakne bildet gleichförmige Pickel um die Haarwurzeln, das SE eher gerötete Flächen mit fettigen Schuppen. Und beides kann gleichzeitig auftreten.
Was ist Pilzakne überhaupt?
Pilzakne ist keine Akne im eigentlichen Sinn. Es ist eine Entzündung der Haarfollikel, also der kleinen Einstülpungen der Haut, aus denen ein Haar wächst. Auslöser ist der Hefepilz Malassezia. Er gehört zur normalen Hautflora fast aller Menschen und lebt bevorzugt dort, wo die Haut viel Talg bildet. Bei der Pilzakne vermehrt er sich stark in den Follikeln. Die Follikel weiten sich und entzünden sich.
Der Begriff „Pilzakne“ (englisch „fungal acne“) ist vor allem über soziale Medien bekannt geworden. Fachleute sehen den Hype auch kritisch: Viele behandeln sich ohne gesicherte Diagnose selbst mit Pilzmitteln.
Begünstigt wird Pilzakne durch Wärme, Feuchtigkeit und Schwitzen, eng anliegende Kleidung, Antibiotika, Kortison und ein geschwächtes Immunsystem. Betroffen sind vor allem junge bis mittelalte Erwachsene.
Woran erkennst du den Unterschied?
Typische Zeichen von Pilzakne
viele kleine Knötchen und Eiterpickel von wenigen Millimetern, alle ungefähr gleich groß
jeder Pickel sitzt um eine Haarwurzel
vor allem auf Brust, Rücken, Schultern, Oberarmen, Nacken und im Gesicht
häufig Juckreiz
keine Mitesser
Das Fehlen von Mitessern und der Juckreiz sind die wichtigsten Hinweise gegenüber klassischer Akne. In einer Studie mit 320 Menschen, die neu wegen Akne behandelt wurden, fand sich bei mehr als jedem Vierten unter dem Mikroskop eine Pilzakne, meist zusätzlich zur Akne. Wer Pilzakne hatte, berichtete deutlich häufiger von Juckreiz.
Typische Zeichen eines seborrhoischen Ekzems
Das SE zeigt sich meist als gerötete Stellen mit fettigen, weißen bis gelblichen Schuppen. Typisch sind die Falten neben der Nase, die Augenbrauen, die Haut hinter den Ohren, die Kopfhaut und die Brustmitte. Kleine Knötchen oder Pusteln können vorkommen, im Vordergrund steht aber die schuppende, gerötete Fläche. Mehr dazu findest du in unserem Überblick zum seborrhoischen Ekzem und im Artikel zu roter, schuppiger Haut auf der Brust.
Die Unterschiede im Überblick
| Merkmal | Pilzakne | Seborrhoisches Ekzem |
|---|---|---|
| Bild | gleichförmige Pickel um Haarwurzeln | gerötete Flächen mit fettigen Schuppen |
| Typische Stellen | Brust, Rücken, Schultern, Gesicht | Nasenfalten, Augenbrauen, Kopfhaut, Ohren, Brustmitte |
| Juckreiz | häufig | häufig |
| Rolle von Malassezia | Pilz vermehrt sich im Follikel | Entzündungsreaktion der Haut auf den Pilz |
Juckreiz trennt Pilzakne gut von Akne, aber nicht vom SE. Hier zählt das Bild: einzelne Pickel oder schuppige Fläche.
Warum beides oft zusammen auftritt
Malassezia ist an beiden Erkrankungen beteiligt, nur auf unterschiedliche Weise. Beim SE reagiert die Haut mit einer Entzündung auf den Pilz an der Oberfläche. Bei der Pilzakne dringt er in die Follikel ein. Hautoberfläche und Follikel sind an diesen Stellen reich an Talg, von dem sich der Pilz ernährt. Wie das beim SE zusammenhängt, erklären wir in Ursachen des seborrhoischen Ekzems.
Ein Teil der Menschen mit Pilzakne hat gleichzeitig ein SE oder eine Kleienpilzflechte, eine weitere Malassezia-Erkrankung mit hellen oder dunklen Flecken. Wenn du ein SE im Gesicht hast und auf Brust oder Rücken juckende Pickel dazukommen, lohnt sich deshalb die Frage nach Pilzakne.
Was hilft bei Pilzakne und was nicht?
Was oft nicht hilft
Viele Betroffene haben schon Aknemittel hinter sich. In einer Untersuchung mit 110 Patient:innen hatten drei von vier vorher erfolglos Aknemittel benutzt. Antibiotika, die oft gegen Akne verschrieben werden, wirken bei Pilzakne fast nie und können sie sogar verschlechtern, weil sie die Hautflora stören. Kortisoncreme dämpft die Entzündung nur kurz. Nach dem Absetzen kommen die Pickel oft stärker zurück, und das Hautbild ist danach schwerer zu beurteilen. Auch beim SE gehört Kortison nur kurz und ärztlich begleitet in die Behandlung, siehe Kortison bei seborrhoischem Ekzem.
Was laut Studien hilft
Eine Arbeitsgruppe der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie (EADV) hat 2023 Empfehlungen veröffentlicht. Für Menschen mit gesundem Immunsystem stehen äußerliche Pilzmittel an erster Stelle, als Creme, Lösung oder Shampoo. Genannt werden Ketoconazol und verwandte Wirkstoffe (Azole), Ciclopirox, Selendisulfid, zinkhaltige Mittel und Propylenglykol, ein Hilfsstoff, der in Studien in hoher Konzentration gegen die Hefen eingesetzt wurde. Nach der Diagnose wird das Mittel meist zwei bis vier Wochen angewendet. Ziel ist eine deutliche Besserung, nicht sofort völlig glatte Haut.
Bei starker Ausprägung oder geschwächtem Immunsystem kommen Tabletten gegen Pilze infrage. Sie sind verschreibungspflichtig und gehören in ärztliche Hände. Die meisten Studien zur Behandlung sind klein. Eine verbindliche Leitlinie gibt es bisher nicht, nur die Empfehlung der EADV-Fachleute.
Viele dieser Wirkstoffe kennst du vielleicht schon vom SE. Pilzmittel wie Ketoconazol sind dort ebenfalls die Basis. Mehr zu den Shampoos findest du bei Ketoconazol-Shampoo und Selendisulfid-Shampoo.
Rückfällen vorbeugen
Pilzakne kommt nach der Behandlung häufig wieder. Die EADV-Empfehlung sieht vor, dasselbe äußerliche Mittel danach seltener weiter anzuwenden. In Studien war das zum Beispiel einmal pro Woche. Dazu kommen Alltagsfaktoren: Schweiß nicht lange auf der Haut lassen, etwa nach dem Sport duschen, und eng anliegende, luftundurchlässige Kleidung meiden.
Wann solltest du ärztlich abklären lassen?
Lass deine Haut ansehen, wenn:
juckende Pickel trotz Aknebehandlung über Wochen bleiben,
sie sich ausbreiten, nässen oder stark schmerzen,
du unsicher bist, ob es Akne, Pilzakne, SE oder etwas anderes ist,
du ein geschwächtes Immunsystem hast oder Kortison oder Antibiotika einnimmst.
Die Hautärztin oder der Hautarzt kann mit wenig Aufwand etwas Hautschuppen oder Pickelinhalt abnehmen und unter dem Mikroskop untersuchen. Das empfiehlt auch die EADV, bevor eine Behandlung startet. In unklaren Fällen hilft eine Gewebeprobe. Wie der Termin beim SE abläuft, liest du in Seborrhoisches Ekzem: Diagnose beim Hautarzt.
Häufige Fragen
Ist Pilzakne ansteckend?
Nach heutigem Wissen eher nicht. Malassezia lebt ohnehin auf der Haut fast aller Menschen. Studien deuten darauf hin, dass sich bei Pilzakne die eigenen, schon vorhandenen Hefen in den Haarwurzeln zu stark vermehren.
Kann ich Pilzakne im Gesicht haben?
Ja. In einer Studie mit 49 Betroffenen war das Gesicht sogar die am häufigsten betroffene Stelle, gefolgt vom Rücken. Andere Übersichten nennen vor allem Brust und Rücken. Gerade dort ist die Abgrenzung zu Akne und SE ohne Untersuchung schwierig.
Woran erkenne ich Pilzakne selbst?
Hinweise sind juckende, gleich große Pickel ohne Mitesser, die bei Hitze und Schweiß schlimmer werden und auf Aknemittel nicht ansprechen. Sicher ist die Unterscheidung aber erst mit einer Untersuchung unter dem Mikroskop.
Hilft mein SE-Shampoo auch gegen Pilzakne?
Möglich, denn Pilzmittel wie Ketoconazol werden bei beiden Erkrankungen eingesetzt. Besprich trotzdem vorher ärztlich, ob wirklich Pilzakne vorliegt, statt auf Verdacht zu behandeln.
Quellen & Studien
- Malassezia-Associated Skin Diseases, the Use of Diagnostics and Treatment
- Malassezia Folliculitis: An Underdiagnosed Mimicker of Acneiform Eruptions
- Position statement: Recommendations on the diagnosis and treatment of Malassezia folliculitis
- Critical synthesis of available data in Malassezia folliculitis and a systematic review of treatments
- The Prevalence, Associated Factors, and Clinical Characterization of Malassezia Folliculitis in Patients Clinically Diagnosed with Acne Vulgaris
- Malassezia Folliculitis Presentation, Diagnosis, and Treatment: A Review of "Fungal Acne"
- Diagnosis and treatment of seborrheic dermatitis