Seborrhoisches Ekzem: Wie die Diagnose gestellt wird
Rote, schuppige Stellen an Kopfhaut, Augenbrauen oder Nasenflügeln, und du fragst dich, ob das ein seborrhoisches Ekzem (SE) ist? Die gute Nachricht: Die Diagnose ist meist unkompliziert. Ärztinnen und Ärzte erkennen ein SE in der Regel am typischen Aussehen, an den betroffenen Körperstellen und an deiner Vorgeschichte. Aufwendige Tests sind nur selten nötig.
Das Wichtigste in Kürze:
Ein SE ist eine Blickdiagnose: Aussehen, Lage und Verlauf geben den Ausschlag.
Eine Lupe mit Licht (Dermatoskop) hilft, es von Schuppenflechte oder Pilz abzugrenzen.
Abstriche, Gewebeproben und Blutwerte kommen nur bei unklarem oder ungewöhnlichem Verlauf zum Einsatz.
Einen Bluttest, der ein SE direkt nachweist, gibt es nicht.
Was beim Arzttermin passiert
Wer ist zuständig?
Ein typisches SE erkennen auch Hausärztinnen und Hausärzte. Bei unklaren Stellen, starken Beschwerden oder fehlender Besserung ist die Hautarztpraxis die richtige Adresse. Dort gehört auch die Untersuchung mit einer Lupe mit Licht, dem Dermatoskop, zur Routine.
Das Gespräch
Am Anfang steht meist das Gespräch. Typische Fragen sind: Seit wann hast du die Stellen? Kommen sie in Schüben und verschwinden zwischendurch? Wird es im Winter schlimmer? Kälte und trockene Luft können ein SE verstärken. Was hast du schon ausprobiert? Ein wiederkehrender Verlauf mit Schüben und Pausen passt gut zum SE. Auch Medikamente, die du einnimmst, und Vorerkrankungen sind wichtig. Manche Arzneimittel können ähnliche Hautveränderungen auslösen. Deshalb fragt die Praxis danach.
Der Blick auf die Haut
Dann schaut sich die Ärztin oder der Arzt die Haut an, oft auch Stellen, die dich gar nicht stören. Das SE zeigt sich typischerweise dort, wo die Haut viel Talg bildet: Kopfhaut, Haaransatz, Augenbrauen, Nasenfalten, hinter den Ohren und in der Brustmitte. Die Haut ist gerötet, darüber liegen weißliche bis gelbliche, oft fettige Schuppen. Genau diese Kombination aus Aussehen und Lage reicht in den meisten Fällen für die Diagnose.
Die Lupe mit Licht: Dermatoskopie
Bei Unsicherheit hilft ein Dermatoskop. Das ist eine Art Lupe mit eigener Lichtquelle, die die oberen Hautschichten vergrößert zeigt. An der Kopfhaut nennt man das Trichoskopie, gemeint ist dieselbe Lupenuntersuchung an Haaren und Kopfhaut. Es tut nicht weh und dauert nur wenige Minuten.
Unter der Lupe achtet die Ärztin oder der Arzt auf die Farbe der Schuppen und die Form der kleinen Blutgefäße. Beim SE sind feine, gelblich-weiße Schuppen und zarte, verästelte Äderchen typisch. Bei Schuppenflechte zeigen sich eher silbrig-weiße Schuppen und gleichmäßig verteilte rote Pünktchen. Eine Übersichtsarbeit, die viele Studien zusammenfasst, zeigt: Mit dieser Lupe lassen sich entzündliche Kopfhauterkrankungen recht zuverlässig voneinander unterscheiden. Auch eine Pilzinfektion der Kopfhaut hinterlässt typische Spuren an den Haaren, die man mit der Lupe erkennen kann.
Abgrenzung: Was sonst dahinterstecken kann
Ein SE ähnelt mehreren anderen Hauterkrankungen. Die wichtigsten sind:
Schuppenflechte (Psoriasis): oft mit silbrig-weißen Schuppen. Mehr dazu in unserem Vergleich seborrhoisches Ekzem oder Schuppenflechte.
Neurodermitis: ebenfalls ein Ekzem, das in Schüben verläuft. Die Unterschiede erklären wir unter Neurodermitis oder seborrhoisches Ekzem.
Periorale Dermatitis: betrifft vor allem die Haut rund um den Mund, siehe periorale Dermatitis oder seborrhoisches Ekzem.
Pilzinfektion der Kopfhaut: kann einem SE ähneln, braucht aber eine andere Behandlung.
Kontaktekzem und Rosazea: können ebenfalls Rötung und Schuppen im Gesicht oder auf der Kopfhaut verursachen.
Zusätzliche Tests: wann sie sinnvoll sind
Hautschuppen unter dem Mikroskop
Besteht der Verdacht auf eine Pilzinfektion, nimmt die Praxis etwas Schuppen ab und untersucht sie unter dem Mikroskop. So lässt sich ein Fadenpilz erkennen, der eine echte Pilzinfektion der Kopfhaut verursacht. Ein Abstrich auf Malassezia bringt dagegen wenig. Malassezia ist ein Hefepilz, der beim SE eine Rolle spielt. Er lebt aber bei fast allen Menschen auf der Haut. Ein Nachweis sagt deshalb nichts darüber, ob du ein SE hast.
Gewebeprobe (Biopsie)
Eine kleine Gewebeprobe ist selten nötig. Sie kommt infrage, wenn das Bild untypisch ist oder die Behandlung nicht anschlägt. Das Ergebnis bestätigt ein SE allerdings nicht eindeutig, denn unter dem Mikroskop sehen mehrere Hauterkrankungen ähnlich aus. Die Probe hilft vor allem, andere Erkrankungen auszuschließen.
Blutuntersuchung
Blutwerte zeigen ein SE nicht an, und in den allermeisten Fällen ist keine Blutabnahme nötig. Nur bei sehr ausgeprägten oder hartnäckigen Formen prüft die Praxis mögliche Begleitumstände, die ein SE verstärken können. Dazu gehören ein geschwächtes Immunsystem, etwa durch eine HIV-Infektion, oder ein Mangel an bestimmten Nährstoffen wie Zink. Auch bei manchen Nervenerkrankungen wie Parkinson tritt ein SE häufiger auf. Diese Abklärung ist für besondere Verläufe gedacht, nicht für den Normalfall.
Nach der Diagnose
Nach der Diagnose geht es um die passende Behandlung, meist mit Wirkstoffen gegen den Hefepilz und bei Bedarf kurzzeitig mit entzündungshemmenden Mitteln. Einen Überblick gibt unser Artikel seborrhoisches Ekzem behandeln. Grundwissen zur Erkrankung findest du im Ratgeber zum seborrhoischen Ekzem.
Wann solltest du ärztlich abklären lassen?
Lass deine Haut untersuchen, wenn:
du nicht sicher bist, was hinter den Stellen steckt,
sich die Stellen ausbreiten, nässen oder stark jucken,
nach einigen Wochen mit Pflege und rezeptfreien Mitteln keine Besserung eintritt,
das Ekzem plötzlich sehr ausgeprägt auftritt oder sich stark verändert,
Haarausfall oder Schmerzen dazukommen,
ein Säugling betroffen ist und die Stellen sich über die Kopfhaut hinaus ausbreiten (mehr dazu unter Kopfgneis beim Baby).
Häufige Fragen
Wie wird ein seborrhoisches Ekzem festgestellt?
In den meisten Fällen durch Anschauen und Nachfragen. Lage, Aussehen der Schuppen und ein Verlauf in Schüben sind typisch. Bei Unsicherheit kommt eine Dermatoskopie dazu, selten eine Schuppenuntersuchung oder Gewebeprobe.
Gibt es einen Bluttest für das seborrhoische Ekzem?
Nein. Blutwerte können ein seborrhoisches Ekzem weder beweisen noch ausschließen. Eine Blutabnahme dient nur dazu, bei besonderen Verläufen mögliche Begleiterkrankungen zu prüfen.
Welcher Arzt ist bei seborrhoischem Ekzem zuständig?
Die erste Anlaufstelle kann die Hausarztpraxis sein. Fachleute für Hauterkrankungen sind Dermatologinnen und Dermatologen. Sie haben die nötige Erfahrung mit ähnlichen Erkrankungen und das Dermatoskop griffbereit.
Kann ich ein seborrhoisches Ekzem selbst diagnostizieren?
Typische Merkmale eines seborrhoischen Ekzems kannst du selbst erkennen. Die Verwechslungsgefahr mit Schuppenflechte, Neurodermitis oder einer Pilzinfektion ist aber groß. Weil die Behandlung je nach Ursache unterschiedlich ist, lohnt sich mindestens einmal die ärztliche Einordnung.
Quellen & Studien
- Diagnosis and treatment of seborrheic dermatitis
- An Overview of the Diagnosis and Management of Seborrheic Dermatitis
- Diagnostic Accuracy of Trichoscopy in Inflammatory Scalp Diseases: A Systematic Review
- Differential diagnosis of red scalp: the importance of trichoscopy
- Histopathology in the Diagnosis of Tinea Capitis: When to Do, How to Interpret?