Hausmittel bei seborrhoischem Ekzem: Was ist dran?
Teebaumöl, Honig, Aloe vera oder Apfelessig: Im Netz kursieren viele Hausmittel gegen seborrhoisches Ekzem (SE). Der Wunsch nach etwas Natürlichem ist verständlich, gerade wenn du schon vieles ausprobiert hast. Kurz gesagt: Für einige Hausmittel gibt es erste Hinweise, für keines aber so gute Belege wie für Wirkstoff-Shampoos und Cremes gegen Pilze. Wir ordnen ein, was Studien zeigen und wo Vorsicht nötig ist.
Warum Hausmittel bei seborrhoischem Ekzem nur begrenzt helfen
Beim SE spielen mehrere Dinge zusammen: der Hefepilz Malassezia, der Talg der Haut und die Abwehrreaktion der Haut. Gut untersuchte Behandlungen setzen vor allem beim Pilz an. Mittel gegen Pilze wie Ketoconazol oder Ciclopirox wirkten in vielen Studien besser als Scheinmedikamente. Eine Cochrane-Übersicht, also eine sorgfältige Auswertung von 51 Studien, bestätigt das.
Hausmittel wurden dagegen meist nur in wenigen, kleinen Studien getestet. Ein aktueller Überblick zu Behandlungen, die für das SE nicht offiziell zugelassen sind, fasst es so zusammen: Natürliche Mittel wie Honig oder Teebaumöl zeigten mal mehr, mal weniger Wirkung. Größere, sorgfältige Studien fehlen.
Was Studien zu einzelnen Hausmitteln zeigen
Teebaumöl: erste Belege, aber Allergierisiko
Teebaumöl wirkt gegen Pilze, auch gegen Malassezia. Schuppen gelten als milde Form des SE auf der Kopfhaut. In einer Studie mit 126 Menschen mit leichten bis mittelstarken Schuppen nutzten die Teilnehmenden vier Wochen lang täglich ein Shampoo mit 5 % Teebaumöl. Ein Wert, der Fläche und Stärke der Schuppen erfasst, besserte sich um 41 %, in der Vergleichsgruppe mit Scheinshampoo um 11 %. Auch Juckreiz und fettige Kopfhaut wurden besser.
Der Haken: Teebaumöl hat von allen ätherischen Ölen die meisten veröffentlichten Allergien ausgelöst. Die meisten Reaktionen gingen auf unverdünntes Öl zurück. Altes Öl, das mit Luft in Kontakt war, löst leichter Allergien aus als frisches. Trag Teebaumöl deshalb nie pur auf die Haut auf. Mehr dazu in Teebaumöl bei seborrhoischem Ekzem.
Honig: eine kleine Studie, viele offene Fragen
In einer Studie aus dem Jahr 2001 trugen 30 Menschen mit SE verdünnten Honig jeden zweiten Tag auf die Haut auf und ließen ihn drei Stunden einwirken. Alle Teilnehmenden berichteten über deutlich weniger Juckreiz und Schuppen. Wer den Honig danach einmal pro Woche weiter nutzte, hatte in den folgenden Monaten keinen Rückfall.
Das klingt gut, ist aber mit Vorsicht zu lesen. Es gab keine Vergleichsgruppe mit Scheinbehandlung, und größere Studien dazu fehlen. Ob Honig wirklich hilft, ist deshalb offen.
Aloe vera: wenig erforscht
Aloe vera wird gegen viele Hautprobleme empfohlen, auch gegen SE. Eine Übersicht über Studien zu Aloe vera in der Dermatologie kommt aber zu dem Schluss: Die Wirkung auf der Haut ist bisher nicht ausreichend untersucht.
Apfelessig: eher reizend
Apfelessig soll die Kopfhaut ansäuern und Pilze hemmen. Studien zum SE haben wir dazu nicht gefunden. In einer kleinen Studie bei Neurodermitis verbesserten Bäder mit verdünntem Apfelessig die Hautbarriere nicht. Fast drei von vier Teilnehmenden bekamen dagegen leichte Hautreizungen. Mehr dazu in Apfelessig gegen Schuppen.
Kokosöl und andere Öle
Öle werden oft gegen Schuppen empfohlen. Ob das beim SE eine gute Idee ist, liest du in unserem Artikel Kokosöl bei seborrhoischem Ekzem.
Was im Alltag wirklich hilft
Sanfte Pflege statt Experimente
Fachleute empfehlen beim SE im Gesicht milde Reinigungsprodukte, leichte Cremes oder Gel-Cremes und einen passenden Sonnenschutz. Pflegeprodukte mit Zink oder Piroctone Olamin, einem Wirkstoff gegen Mikroben, können die Behandlung unterstützen und Schübe seltener machen. Sie ersetzen aber keine Behandlung bei einem stärkeren Schub.
Ein Wirkstoff-Shampoo als Grundlage
Für die Kopfhaut ist ein Shampoo mit einem Mittel gegen Pilze der am besten belegte Schritt. Wie du solche Shampoos anwendest, liest du in Ketoconazol Shampoo. Einen Überblick über alle Möglichkeiten findest du in Seborrhoisches Ekzem behandeln.
Häufige Fehler mit Hausmitteln
Ätherische Öle pur auftragen: Unverdünntes Teebaumöl ist der häufigste Auslöser einer Allergie gegen Teebaumöl.
Mehrere Mittel gleichzeitig testen: Reagiert die Haut, weißt du nicht, woran es lag.
Hausmittel statt Behandlung: Wenn sich nach einigen Wochen nichts bessert, verlierst du mit weiteren Experimenten nur Zeit.
Reizende Mittel nutzen: Bäder mit verdünntem Essig reizten in einer Studie bei Neurodermitis die Haut der meisten Teilnehmenden.
Wann solltest du ärztlich abklären lassen?
Lass deine Haut ärztlich anschauen, wenn:
die Haut nach einem Hausmittel brennt, juckt oder sich rötet,
Stellen nässen, stark jucken oder sich ausbreiten,
Wirkstoff-Shampoos oder Cremes nach einigen Wochen nicht helfen,
du unsicher bist, ob es überhaupt ein SE ist,
dein Baby betroffen ist (beim Säugling heißt das SE Kopfgneis) und die Stellen nässen oder sich ausbreiten.
Häufige Fragen
Welches Hausmittel hilft sofort gegen seborrhoisches Ekzem?
Keines wirkt sofort. Auch bei gut belegten Wirkstoff-Shampoos prüften die meisten Studien die Wirkung erst nach vier bis fünf Wochen. Rechne also mit einigen Wochen, bis du eine deutliche Besserung siehst.
Kann ich seborrhoisches Ekzem natürlich behandeln?
Teilweise. Für Hausmittel wie Teebaumöl oder Honig gibt es erste Hinweise, aber keine sicheren Belege. Sanfte Pflege kann die Behandlung unterstützen. Für die Behandlung eines Schubs sind Mittel gegen Pilze aber am besten untersucht. Was die Ernährung ausmacht, liest du in Seborrhoisches Ekzem und Ernährung.
Ist Teebaumöl-Shampoo eine Alternative zu Ketoconazol?
Ein Shampoo mit 5 % Teebaumöl hat in einer Studie gegen Schuppen geholfen. Mit Ketoconazol direkt verglichen wurde es dort nicht. Wenn du es ausprobieren möchtest, achte auf ein fertiges Shampoo statt auf pures Öl.
Helfen Hausmittel auch bei Schuppen im Gesicht?
Im Gesicht ist die Haut besonders empfindlich. Mit ätherischen Ölen und Essig solltest du hier besonders vorsichtig sein. Mehr dazu in unserem Ratgeber zu Schuppen im Gesicht.
Quellen & Studien
- Topical antifungals for seborrhoeic dermatitis
- A Narrative Review of Seven Off-Label Treatment Options for Seborrheic Dermatitis
- Treatment of dandruff with 5% tea tree oil shampoo
- Tea tree oil: contact allergy and chemical composition
- Therapeutic and prophylactic effects of crude honey on chronic seborrheic dermatitis and dandruff
- Aloe vera in dermatology: a brief review
- Apple cider vinegar soaks [0.5%] as a treatment for atopic dermatitis do not improve skin barrier integrity
- Topical Non-Pharmacological Treatment for Facial Seborrheic Dermatitis