Schuppige Augenlider: Was ein seborrhoisches Ekzem damit zu tun hat
Die Lidränder sind gerötet, an den Wimpern hängen feine Schüppchen, und die Augen brennen. Ein seborrhoisches Ekzem (SE) am Augenlid ist eine mögliche Erklärung dafür. Fachleute sprechen dann von einer seborrhoischen Blepharitis, also einer Entzündung des Lidrands. Sie verläuft meist chronisch, kommt also immer wieder, lässt sich aber mit sanfter, regelmäßiger Lidpflege oft gut lindern.
Woran erkennst du ein seborrhoisches Ekzem am Augenlid?
Typische Zeichen
Bei einer Blepharitis sind die Lider gerötet, sie schuppen und verkrusten und können jucken. Häufig brennen die Augen, tränen oder sind gerötet. Manche Betroffene sind lichtempfindlich oder sehen kurz verschwommen. Die seborrhoische Form zählt zur vorderen Blepharitis: Sie betrifft den äußeren Lidrand, an dem die Wimpern wachsen.
Die Schuppen am Lidrand ähneln oft denen, die SE auch an anderen Stellen bildet. An Kopfhaut und Gesicht sind diese Schuppen typischerweise weißlich bis gelblich.
Hinweise auf SE an anderen Stellen
SE zeigt sich bevorzugt dort, wo die Haut viel Talg bildet, also ihr eigenes Hautfett: an Kopfhaut, Gesicht und Oberkörper. Eine Übersichtsarbeit beschreibt, dass SE häufig zusammen mit Blepharitis, Rosazea oder Akne auftritt. Hast du gleichzeitig Schuppen in den Augenbrauen oder an der Nasenfalte, kann das ein Hinweis auf SE als Ursache sein. Sicher klären lässt sich das in einer Haut- oder Augenarztpraxis. Einen Überblick über das Krankheitsbild findest du in unserem Ratgeber zum seborrhoischen Ekzem.
Was kann es sonst sein?
Gerötete, schuppige Lider haben viele mögliche Ursachen. Bei länger anhaltendem Juckreiz am Lid ist laut einer Übersichtsarbeit das allergische Kontaktekzem die häufigste Ursache. Weitere Möglichkeiten sind Neurodermitis, trockene Haut oder trockene Augen, Rosazea und Schuppenflechte.
Dass Allergien am Lid so häufig sind, zeigt auch eine große nordamerikanische Auswertung. Bei Menschen mit Lidekzem, die einen Allergietest auf der Haut (Epikutantest) bekamen, war das allergische Kontaktekzem mit rund 43 Prozent die häufigste Diagnose. Zu den häufigsten Auslösern zählten Nickel, Duftstoffe und Konservierungsmittel. Wie du beides unterscheidest, erklären wir in Kontaktekzem oder seborrhoisches Ekzem.
Auch Haarbalgmilben (Demodex) können am Lidrand eine Rolle spielen. Das sind winzige Milben, die in Haarwurzeln leben. In einer kleinen türkischen Studie mit 29 Menschen mit seborrhoischer Blepharitis fanden sich bei gut 80 Prozent Milben an den Wimpern. Die Studie untersuchte vor allem Nachweismethoden. Was das für die Behandlung bedeutet, lässt sich daraus nicht ableiten.
Was hilft: von der Lidpflege bis zur ärztlichen Therapie
Lidhygiene als Grundlage
Die am besten untersuchte Maßnahme ist zugleich die einfachste: regelmäßige Lidhygiene. Gemeint sind warme Kompressen und das vorsichtige Reinigen des Lidrands. Ein Cochrane-Review, also eine systematische Auswertung von 34 Studien, kam zu dem Schluss, dass Lidhygiene die Beschwerden lindern kann. Eine Behandlung, die eine chronische Blepharitis sicher heilt, fanden die Forschenden nicht.
So kann die Routine aussehen: Leg einen sauberen, warmen (nicht heißen) Waschlappen einige Minuten auf die geschlossenen Lider. Wisch danach den Lidrand sanft mit einem frischen Wattepad oder Wattestäbchen ab. Für jedes Auge nimmst du ein eigenes Pad. Am meisten bringt das als tägliche Routine.
Teure Spezialprodukte sind dafür nicht zwingend nötig. Der Cochrane-Review merkt an, dass viele Produkte ohne gute Belege vermarktet werden. In einer kleinen Studie mit 48 Studierenden besserten sich die Beschwerden mit drei verschiedenen Lidreinigern, aber auch mit abgekochtem, abgekühltem Wasser. Verdünntes Babyshampoo, ein verbreiteter Tipp, zeigte dort Hinweise auf eine mögliche Reizung der Augenoberfläche, also von Bindehaut und Hornhaut.
Vorsicht mit Wirkstoffen am Auge
Shampoos und Cremes gegen SE sind in der Regel nicht für den Lidrand gedacht. Was du an Kopfhaut oder Gesicht verwendest, gehört deshalb nicht ohne ärztliche Rücksprache an die Lider.
Kortisonhaltige Präparate können Beschwerden einer Blepharitis lindern. Am Auge gelten sie aber als heikel, weil Fachleute ein Risiko für grünen Star (Glaukom) und grauen Star (Katarakt) diskutieren. Wie groß dieses Risiko ist, ist nicht gut untersucht. Eine niederländische Studie mit 88 Menschen mit Neurodermitis fand bei Kortison an den Lidern kein erhöhtes Risiko. Sie war aber klein und betraf nicht SE. Kortison am Lid gehört deshalb in ärztliche Hände, mit möglichst kurzer Anwendung und Kontrolle. Mehr dazu liest du in Kortison bei seborrhoischem Ekzem.
Für SE im Gesicht nennen Fachleute auch kortisonfreie, entzündungshemmende Cremes wie Tacrolimus. Diese Mittel dämpfen die Entzündung, ohne Kortison zu enthalten, und sind verschreibungspflichtig. Ob so ein Mittel für deine Lider passt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Wenn das nicht reicht
Hilft die Lidhygiene nach einigen Wochen nicht, kommen ärztliche Behandlungen infrage. Bei der vorderen Blepharitis können antibiotische Salben oder Tropfen gegen Bakterien am Lidrand die Beschwerden lindern. Auch dann bleibt die tägliche Lidpflege meist die Basis.
Häufige Fehler im Alltag
Reiben und Kratzen: Das reizt die dünne Lidhaut zusätzlich.
Schuppen abzupfen: Mit den Fingernägeln verletzt du leicht den Lidrand und reißt Wimpern aus. Lass die Schuppen lieber durch Wärme weich werden und wisch sie sanft ab.
Neue Kosmetik während eines Schubs, also wenn die Beschwerden gerade wieder stärker sind: Duftstoffe und Konservierungsmittel gehören zu den häufigen Auslösern eines Kontaktekzems am Lid. Neue Produkte probierst du besser, wenn die Haut ruhig ist.
Zu früh aufhören: Da die Erkrankung meist chronisch ist, wirkt Lidpflege am besten als feste Routine und nicht als einmalige Kur.
Wann solltest du ärztlich abklären lassen?
Augenschmerzen, starke Lichtempfindlichkeit oder schlechteres Sehen: Eine Blepharitis kann selten die Hornhaut schädigen, die durchsichtige Vorderseite des Auges. Dann gehst du zeitnah in eine Augenarztpraxis.
Keine Besserung nach einigen Wochen konsequenter Lidpflege.
Nur ein Auge betroffen, ein Knoten am Lid oder ausfallende Wimpern.
Starke Schwellung oder heftiger Juckreiz, besonders nach einem neuen Produkt.
Babys und Kinder mit geröteten, schuppigen Lidern.
Häufige Fragen
Kann ich mich trotz SE am Augenlid schminken?
Solange die Lider gereizt sind, verzichtest du am besten auf Augen-Make-up. Wenn du Augen-Make-up nutzt, bleib bei Produkten, die du schon gut verträgst, und entferne sie abends sanft. Duftstoffe und Konservierungsmittel gehören zu den häufigen Auslösern von Kontaktallergien am Lid.
Geht ein seborrhoisches Ekzem am Augenlid wieder weg?
Die Beschwerden können deutlich zurückgehen, oft kommen sie aber in Schüben wieder. SE ist eine chronische Erkrankung, und auch bei der Blepharitis heilt keine Behandlung sie sicher. Regelmäßige Lidpflege kann die Beschwerden aber spürbar lindern.
Muss ich zum Augenarzt oder zum Hautarzt?
Betreffen die Beschwerden vor allem den Lidrand und die Augen, ist die Augenarztpraxis die richtige Adresse. Geht es eher um die Haut rund ums Auge, zusammen mit SE an Kopfhaut oder Schuppen im Gesicht, kann die Hautarztpraxis die Haut und das SE insgesamt mitbehandeln.
Quellen & Studien
- Interventions for chronic blepharitis
- Seborrheic dermatitis
- An Overview of the Diagnosis and Management of Seborrheic Dermatitis
- Chronic eyelid and ocular itch
- Eyelid dermatitis in patients referred for patch testing: Retrospective analysis of North American Contact Dermatitis Group data, 1994-2016
- The effect of lid hygiene on the tear film and ocular surface, and the prevalence of Demodex blepharitis in university students
- Investigation of the Demodex Lid Infestation with in Vivo Confocal Microscopy versus Light Microscopy in Patients with Seborrheic Blepharitis
- Topical corticosteroids in atopic dermatitis and the risk of glaucoma and cataracts