Schuppen am Ohr: Was ein seborrhoisches Ekzem damit zu tun hat
Es juckt im Ohr, hinter der Ohrmuschel rieseln Schuppen, und die Haut ist gerötet. Ein seborrhoisches Ekzem (SE) am Ohr ist eine häufige Erklärung dafür. Typisch sind Rötungen mit fettig-gelblichen Schuppen hinter dem Ohr, in der Ohrmuschel oder im Gehörgang. Das SE ist nicht ansteckend und lässt sich meist gut behandeln. Weil andere Hautprobleme am Ohr ähnlich aussehen können, zeigen wir dir hier auch die wichtigsten Unterschiede.
Woran erkennst du ein seborrhoisches Ekzem am Ohr?
Typische Stellen
Das SE zeigt sich dort, wo die Haut viele Talgdrüsen hat. Dazu gehört neben Kopfhaut und Gesicht auch die Haut hinter den Ohren. Auch der äußere Gehörgang kann betroffen sein. Eine kleine Auswertung aus einer spanischen Hautklinik gibt einen Eindruck: Von 25 Menschen mit geröteter, schuppiger Haut im Gehörgang hatten 14 ein SE, also gut die Hälfte. Das ist eine kleine Gruppe, die Zahl zeigt nur eine grobe Richtung.
So sieht es aus
gerötete, meist klar begrenzte Stellen
Schuppen, die eher gelblich und fettig wirken, manchmal auch trocken und weiß
häufig auf beiden Seiten gleich verteilt
Juckreiz ist möglich, aber kein Muss
Oft finden sich ähnliche Stellen gleichzeitig an Kopfhaut, Augenbrauen oder Nasenfalten. Das ist ein wichtiger Hinweis auf ein SE. Mehr zum Grundbild liest du in unserem Ratgeber zum seborrhoischen Ekzem.
Warum gerade hinter dem Ohr und im Gehörgang?
Beim SE spielen Talg und der Hefepilz Malassezia eine zentrale Rolle. Malassezia lebt auf fast jeder Haut und ernährt sich von Hautfetten. Bei Menschen mit SE löst er vermutlich eine Entzündung aus, die genauen Zusammenhänge werden weiter erforscht. Die Haut hinter dem Ohr gehört zu den talgreichen Zonen, ähnlich wie Kopfhaut und Nasenfalten. Deshalb tritt das SE dort häufig gemeinsam mit Schuppen auf dem Kopf auf. Zieht sich das Ekzem von der Kopfhaut bis zu den Ohren, hilft dir auch unser Artikel zum seborrhoischen Ekzem an der Kopfhaut.
Was kann es noch sein?
Juckende, schuppige Ohren haben viele mögliche Ursachen. Diese fünf kommen häufig infrage:
| Ursache | Typische Hinweise |
|---|---|
| Seborrhoisches Ekzem | fettig-gelbliche Schuppen, oft auch an Kopfhaut und Gesicht |
| Schuppenflechte (Psoriasis) | dickere, scharf begrenzte Stellen mit silbrig-weißen Schuppen |
| Kontaktekzem | beginnt dort, wo Schmuck, Ohrentropfen oder Pflegeprodukte die Haut berühren |
| Akute Gehörgangsentzündung | starke Ohrenschmerzen, Schwellung, Schmerz beim Ziehen am Ohr |
| Pilzinfektion im Gehörgang | Juckreiz und Belag im Gehörgang, oft nach längerer Behandlung mit Ohrentropfen |
In der kleinen spanischen Auswertung war die Schuppenflechte nach dem SE die zweithäufigste Diagnose: 9 von 25 Menschen hatten sie. Wie du beide unterscheidest, erklären wir in Seborrhoisches Ekzem oder Schuppenflechte.
Ein Kontaktekzem am Ohr wird häufig durch Schmuck wie Ohrringe ausgelöst. Auch Ohrentropfen können eine Allergie auslösen, vor allem wenn sie lange benutzt werden. Ein bekannter Auslöser ist das Antibiotikum Neomycin. Mehr dazu liest du in Kontaktekzem oder seborrhoisches Ekzem.
Wenn aus dem Ekzem eine Entzündung wird
Ein Ekzem im Gehörgang kann den Weg für Keime ebnen. Eine Gehörgangsentzündung, die immer wiederkommt, heißt chronische Otitis externa. Häufig steckt eine Hautkrankheit dahinter, zum Beispiel ein SE, eine Schuppenflechte oder eine Neurodermitis. Eine akute Gehörgangsentzündung ist dagegen meist bakteriell. Sie zeigt sich mit Ohrenschmerzen, Rötung und Schwellung. Typisch ist: Es tut weh, wenn du an der Ohrmuschel ziehst. Auch Druck auf den kleinen Knorpelvorsprung direkt vor dem Gehörgang kann schmerzen.
Was hilft beim seborrhoischen Ekzem am Ohr?
Pflege und Alltag
Keine Wattestäbchen im Gehörgang. Sie reizen die Haut und können ein Ekzem verschlimmern. Verletzungen im Gehörgang begünstigen außerdem Entzündungen.
Ohren möglichst trocken halten. Wasser im Gehörgang kann die Haut zusätzlich reizen. Tupfe die Ohrmuschel nach dem Duschen sanft trocken.
Hinter dem Ohr mild reinigen und gut ausspülen. So bleiben keine Reste von Shampoo oder Pflegeprodukten auf der Haut.
Neue Produkte einzeln einführen. So erkennst du, ob ein Shampoo, eine Creme oder Schmuck die Haut reizt.
Fettige, schwere Pflegecremes meiden. Sehr ölige Produkte können ein SE eher verschlechtern. Für Wirkstoffcremes gilt, was deine Praxis oder Apotheke empfiehlt.
Wirkstoffe gegen SE
Für SE außerhalb der Kopfhaut gelten Mittel gegen Pilze (Antimykotika) als bewährt, etwa Ketoconazol, Ciclopirox oder Clotrimazol. Diese Antimykotika drängen Malassezia zurück. Gegen die Entzündung kommen milde Kortisonpräparate infrage, allerdings nur kurz und ärztlich begleitet. Eine weitere Möglichkeit sind sogenannte Calcineurin-Hemmer wie Tacrolimus oder Pimecrolimus. Das sind entzündungshemmende Salben und Cremes ohne Kortison. Auch sie gehören in ärztliche Hände. Was du bei Kortison beachten solltest, steht in Kortison bei seborrhoischem Ekzem.
Besonderheit Gehörgang
Der Gehörgang ist kein Ort für Experimente. Nicht jede Creme ist dafür geeignet, und ein verletztes Trommelfell erkennst du von außen nicht. Lass deshalb ärztlich entscheiden, was in den Gehörgang darf. Das gilt auch für Mittel, die du ohne Rezept bekommst. Bei einem Ekzem dort verordnen Ärztinnen und Ärzte häufig eine Kortisonzubereitung. Liegt zusätzlich eine Infektion vor, reinigt die Praxis den Gehörgang und setzt Tropfen gegen Keime ein.
Häufige Fehler im Alltag
Kratzen mit Fingernagel, Haarnadel oder Wattestäbchen: Das kann die Haut im Gehörgang verletzen. Kratzen schwächt außerdem die Hautbarriere, und der Juckreiz kann dadurch weiter zunehmen.
Ohrentropfen auf eigene Faust über Wochen: Lange benutzte Tropfen können selbst eine Allergie oder eine Pilzinfektion begünstigen.
Nur das Ohr im Blick haben: Das SE ist chronisch und betrifft oft mehrere Stellen. Häufig braucht es deshalb eine Erhaltungsbehandlung, also eine regelmäßige Anwendung auch in ruhigen Phasen. Sie sollte Kopfhaut und Gesicht einbeziehen. Was gegen Rückfälle hilft, liest du in Seborrhoisches Ekzem vorbeugen.
Wann solltest du ärztlich abklären lassen?
Geh in eine hausärztliche, hautärztliche oder HNO-Praxis, wenn:
das Ohr schmerzt, anschwillt oder Flüssigkeit aus dem Gehörgang kommt,
du schlechter hörst oder das Ohr sich verstopft anfühlt,
die Stellen nässen, sich ausbreiten oder stark jucken,
sich nach einigen Wochen Pflege nichts bessert,
du Diabetes hast oder dein Immunsystem geschwächt ist, denn dann können Gehörgangsentzündungen schwerer verlaufen,
ein Säugling betroffen ist, denn Babyhaut sollte immer ärztlich angesehen werden.
Häufige Fragen
Ist ein seborrhoisches Ekzem am Ohr ansteckend?
Nein. Das SE ist nicht ansteckend. Malassezia lebt ohnehin auf der Haut fast aller Menschen. Entscheidend ist, wie die eigene Haut darauf reagiert.
Warum juckt das Ohr innen so stark?
Ein Ekzem im Gehörgang kann deutlich jucken. Hinter chronischem Juckreiz am Ohr stecken aber auch andere Ursachen, etwa eine Schuppenflechte, eine Allergie oder ein Pilz. Das lässt sich nur in der Praxis sicher klären.
Darf ich Anti-Schuppen-Shampoo hinter dem Ohr benutzen?
Mittel gegen Pilze wie Ketoconazol gelten auch außerhalb der Kopfhaut als bewährt. Ob du die Stellen hinter dem Ohr beim Haarewaschen mit deinem Wirkstoff-Shampoo mitbehandeln kannst, besprichst du am besten in der Apotheke oder Praxis. In den Gehörgang sollte es nicht gelangen.
Können Babys ein seborrhoisches Ekzem hinter dem Ohr haben?
Ja. Bei Säuglingen kann das SE neben der Kopfhaut auch Gesicht und die Haut hinter den Ohren betreffen. Mehr zu den gelblichen Schuppen bei Babys findest du in Kopfgneis beim Baby.
Quellen & Studien
- Seborrheic Dermatitis and Dandruff: A Comprehensive Review
- An Overview of the Diagnosis and Management of Seborrheic Dermatitis
- Chronic ear pruritus
- Successful treatment of erythematous-squamous disorders of the external auditory canal with tacrolimus and clotrimazole in otic oil: Our experience in 25 patients
- Chronische Otitis externa aus dermatologischer Sicht
- Otitis Externa
- Acute Otitis Externa: Rapid Evidence Review
- Dermatitis des Gehörgangs (chronische Otitis externa)