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Wenn das Ekzem plötzlich nässt: was dahintersteckt

Deine Haut schuppt sonst eher, aber jetzt nässt eine Stelle, klebt oder bildet gelbe Krusten? Ein seborrhoisches Ekzem (SE) nässt normalerweise nicht. Typisch sind Rötungen mit fettigen, gelblichen Schuppen. Wenn ein seborrhoisches Ekzem nässend wird, steckt oft etwas Zusätzliches dahinter: am häufigsten eine bakterielle Zweitinfektion, manchmal Reibung und Feuchtigkeit in Hautfalten oder eine andere Hauterkrankung. Was das jeweils bedeutet und wann ein Arzttermin nötig ist, liest du hier.

Wie sieht ein seborrhoisches Ekzem normalerweise aus?

Das SE ist eine wiederkehrende, nicht ansteckende Entzündung an Stellen mit vielen Talgdrüsen. Dazu zählen die Kopfhaut, das Gesicht (Nasenfalten, Augenbrauen, Lider), die Haut hinter den Ohren und die obere Brust. Typisch sind gut abgegrenzte, gerötete Flächen mit gelblichen, fettig wirkenden Schuppen. Viele Betroffene kennen auch Juckreiz, vor allem an der Kopfhaut.

Das SE kann aber auch in Achseln und Leisten auftreten. Bei Babys zeigt es sich neben dem Kopfgneis manchmal in Körperfalten. Mehr zum Grundbild findest du in unserem Ratgeber zum seborrhoischen Ekzem.

Schuppen, Rötung und Jucken sind also das übliche Bild. Nässen, Bläschen oder dicke gelbe Krusten gehören nicht dazu.

Warum ein seborrhoisches Ekzem nässend werden kann

Eine bakterielle Zweitinfektion

Von einer Zweitinfektion spricht man, wenn sich auf der schon entzündeten Haut zusätzlich Bakterien vermehren. Übersichtsarbeiten nennen das als wichtigste Komplikation des SE. Die Infektion verstärkt Rötung, Nässen und Reizung. Entzündete Haut schützt schlechter, und Bakterien können sich leichter festsetzen. Kratzen macht das wahrscheinlicher, weil es die Haut zusätzlich verletzt.

Häufige Erreger sind Staphylokokken und Streptokokken, zwei verbreitete Bakteriengruppen auf der Haut. Sie können eine sogenannte Impetigo auslösen, auch Borkenflechte genannt. Ihr Kennzeichen sind honiggelbe Krusten. Impetigo entsteht oft auf gesunder Haut, kann sich aber auch auf ein bestehendes Ekzem setzen. Sie ist ansteckend, deshalb sind gründliches Händewaschen und eigene Handtücher sinnvoll.

Feuchtigkeit und Reibung in Hautfalten

In Achseln, Leisten oder unter der Brust reibt Haut auf Haut. Feuchtigkeit kann dort schlecht verdunsten. Diese Mischung kann die Haut aufweichen und wund machen. Der medizinische Name dafür ist Intertrigo. Sitzt ein SE in einer Falte, kann die Haut dort feucht und wund wirken, und eine Infektion setzt sich leichter darauf.

Ein Herpes-Befall der Haut

Sehr selten breiten sich Herpesviren, also die Erreger von Lippenbläschen, großflächig auf entzündeter Haut aus. Das nennt sich Eczema herpeticatum und ist vor allem bei Neurodermitis beschrieben, beim SE spielt es kaum eine Rolle. Gut zu wissen ist es trotzdem. Typisch sind viele kleine Bläschen und oft Fieber oder ein deutliches Krankheitsgefühl. Dann brauchst du noch am selben Tag ärztliche Hilfe.

Oder ist es gar kein seborrhoisches Ekzem?

Nässende Stellen können auch ein Hinweis darauf sein, dass eine andere Hauterkrankung vorliegt. Bei Neurodermitis zum Beispiel nässen, verkrusten und bilden Bläschen gerade frische Schübe häufig. Wie du die beiden unterscheidest, liest du in unserem Vergleich Neurodermitis oder seborrhoisches Ekzem. Bei Babys mit rotem, wundem Po hilft dir unser Artikel Windeldermatitis oder seborrhoisches Ekzem weiter.

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Was hilft bei nässenden Stellen?

Erst klären lassen, dann behandeln

Bei nässenden oder verkrusteten Stellen ist der erste Schritt die ärztliche Einordnung. Denn die Behandlung hängt von der Ursache ab. Liegt eine Impetigo vor, kommen meist antibiotische Salben zum Einsatz, bei ausgedehntem Befall auch Tabletten. Ohne erkennbare Infektion sieht es anders aus: Eine Cochrane-Übersicht, also eine besonders gründliche Auswertung aller verfügbaren Studien, fand keine ausreichenden Belege, dass antibakterielle Mittel dann helfen. Ob Bakterien beteiligt sind, erkennt die Praxis meist schon am Hautbild. Manchmal nimmt sie zusätzlich einen Abstrich, also eine Probe mit einem Wattestäbchen, die im Labor untersucht wird.

Das Ekzem selbst behandeln

Unabhängig davon, ob eine Infektion dabei war, braucht auch das SE selbst eine Behandlung. Weil der Hefepilz Malassezia, ein natürlicher Bewohner der Haut, an der Entzündung beteiligt ist, sind pilzhemmende Wirkstoffe am besten untersucht, etwa Ketoconazol als Creme oder Shampoo. Bei stärkeren Schüben setzen Ärztinnen und Ärzte kurzzeitig entzündungshemmende Mittel wie milde Kortisonpräparate ein, immer ärztlich begleitet. Einen Überblick über alle Stufen findest du in unserem Artikel zur Behandlung des seborrhoischen Ekzems.

Was du selbst tun kannst

  • Krusten in Ruhe lassen und nicht abkratzen, bis die Ursache geklärt ist.

  • Hände vor und nach dem Eincremen waschen, eigene Handtücher nutzen.

  • Hautfalten sanft reinigen und gut trocknen, ohne zu rubbeln.

  • In Hautfalten können spezielle feuchtigkeitsableitende Textilien Reibung und Nässe verringern.

Häufige Fehler bei nässender Haut

Ein typischer Fehler ist Kratzen. Es verletzt die Haut weiter und macht eine Infektion wahrscheinlicher. Wenn der Juckreiz stark ist, sprich das in der Praxis an: Eine gut eingestellte Behandlung des Ekzems hilft, den Kreislauf aus Jucken und Kratzen zu durchbrechen.

Ungünstig ist auch, übrig gebliebene Antibiotika- oder Kortisonsalben auf Verdacht aufzutragen. Antibiotika ohne klare Infektion fördern resistente Bakterien. Kortison dämpft die Entzündung, bekämpft aber keine Bakterien. Steckt eine Infektion dahinter, braucht sie zuerst eine gezielte Behandlung.

Wann solltest du ärztlich abklären lassen?

Nässende Stellen sind immer ein Grund für einen Termin in der Hausarzt- oder Hautarztpraxis. Möglichst schnell solltest du gehen, wenn:

  • honiggelbe Krusten, Eiter oder Pusteln entstehen

  • sich die Stellen rasch ausbreiten oder schmerzen

  • viele kleine Bläschen auftreten oder du Fieber bekommst

  • ein Baby oder Kleinkind betroffen ist

  • sich das Ekzem trotz Behandlung über Wochen nicht bessert

Breitet sich ein SE ungewöhnlich stark aus oder spricht kaum auf Behandlung an, prüfen Ärztinnen und Ärzte der Vollständigkeit halber auch das Immunsystem. Der Hintergrund: Bei geschwächter Abwehr kann das SE ausgedehnter und hartnäckiger verlaufen. Das gehört zur gründlichen Abklärung, ist aber kein Grund, vorab das Schlimmste anzunehmen.

Häufige Fragen

Ist ein nässendes seborrhoisches Ekzem ansteckend?

Das SE selbst ist nicht ansteckend. Steckt hinter dem Nässen aber eine Impetigo, kann diese übertragen werden. Bis zur ärztlichen Klärung helfen Händewaschen und eigene Handtücher.

Was bedeuten gelbe Krusten auf dem Ekzem?

Normale SE-Schuppen sind gelblich und fettig, aber eher dünn. Dicke, honiggelbe Krusten auf nässender Haut sind dagegen ein typisches Zeichen für eine bakterielle Infektion, die meist gut behandelbar ist.

Kann ich nässende Stellen einfach austrocknen lassen?

Nässen zeigt meist, dass etwas zusätzlich zum SE passiert. Wenn eine Infektion dahintersteckt, heilt sie durch bloßes Austrocknen oft nicht. Sanfte Reinigung und trockene Hautfalten helfen, ersetzen aber nicht die Abklärung.

Kann ein seborrhoisches Ekzem am Kopf nässen?

An der Kopfhaut zeigt sich das SE meist mit Schuppen, Rötung und Juckreiz. Nässt die Kopfhaut oder bilden sich dicke Krusten, kommt auch dort eine Infektion oder eine andere Erkrankung infrage.

Quellen & Studien

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