Schuppenplatten auf der Kopfhaut lösen, ohne die Haut zu verletzen
Dicke, festsitzende Schuppen auf der Kopfhaut lassen sich nicht einfach auskämmen. Wer sie abkratzt, reizt die Haut darunter und hat oft schnell neue. Besser ist es, Schuppenplatten auf der Kopfhaut zu lösen, statt sie abzureißen: mit Einwirkzeit, einem Wirkstoff, der Hornschuppen aufweicht, und einer Behandlung der Ursache. Häufig steckt ein seborrhoisches Ekzem (SE) dahinter, manchmal aber auch eine Schuppenflechte oder ein Pilzbefall.
Was sind Schuppenplatten auf der Kopfhaut?
Mit Schuppenplatten sind dicke Beläge gemeint, die fest auf der Kopfhaut haften. Sie sind gröber als normale Kopfschuppen. In ausgeprägten Fällen umschließen sie sogar die Haare an ihrer Wurzel, sodass ganze Haarbüschel verklebt wirken. Diese starke Form nennen Fachleute Pityriasis amiantacea.
Gerade zu dieser starken Form gibt es eine aufschlussreiche Studie. Sie zeigt: Die Platten sind keine eigene Krankheit, sondern eine Reaktion der Kopfhaut auf andere Erkrankungen. Bei 85 untersuchten Betroffenen lag bei etwa einem Drittel eine Schuppenflechte (Psoriasis) zugrunde. Bei einem weiteren Drittel zeigte sich ein Ekzem, vor allem ein SE oder eine Neurodermitis. Bei rund jedem Achten fand sich ein Pilzbefall der Kopfhaut.
SE, Schuppenflechte oder Pilzbefall?
Beim SE sind die Schuppen eher gelblich und fettig, die Haut darunter ist leicht gerötet. Bei einer Schuppenflechte sind die Beläge meist dicker, silbrig und scharf begrenzt. Wie du die beiden unterscheidest, erklären wir im Artikel Seborrhoisches Ekzem oder Schuppenflechte.
Ein Pilzbefall der Kopfhaut ist etwas anderes als das SE. Beim SE spielt der Hefepilz Malassezia eine Rolle, der auf fast jeder Haut lebt. Ein Pilzbefall dagegen ist eine eigene Infektion, die ärztlich erkannt und behandelt werden muss. Sicher unterscheiden lässt sich das nur mit einer Untersuchung in der Praxis.
Schuppenplatten sanft lösen: Schritt für Schritt
Ziel ist, die Beläge aufzuweichen, damit sie sich beim Waschen von selbst lösen. Rechne mit mehreren Anwendungen. Dünne Beläge lockern sich oft nach einigen Tagen, dicke brauchen länger.
Schritt 1: Öl als Vorbehandlung (optional)
Manche weichen die Beläge vorher mit Öl auf, etwa über Nacht unter einer Haube, und waschen am Morgen mit einem Wirkstoff-Shampoo. In einem ärztlichen Fallbericht wurde genau so vorgegangen, mit Paraffinöl (einem geruchlosen Mineralöl) und wechselnden Wirkstoff-Shampoos. Gute Vergleichsstudien zur Ölvorbehandlung bei Erwachsenen fehlen allerdings. Wenn du es ausprobierst, wasch das Öl am nächsten Tag gründlich aus.
Schritt 2: Mit Salicylsäure aufweichen
Salicylsäure lockert die Verbindungen zwischen den Hornschuppen, sodass sich diese leichter ablösen. Solche Wirkstoffe heißen Keratolytika. Es gibt Salicylsäure in Shampoos und, für dickere Beläge, in Lösungen oder Salben für die Kopfhaut.
In einer Studie mit 154 Teilnehmenden enthielt ein Shampoo 3 Prozent Salicylsäure, kombiniert mit Ciclopirox, einem Wirkstoff gegen Pilze. Es verbesserte Schuppen und Beschwerden ähnlich deutlich wie ein bewährtes Shampoo mit Ketoconazol, einem anderen Wirkstoff gegen Pilze. Die Teilnehmenden wuschen dreimal pro Woche, vier Wochen lang.
Lass das Shampoo einige Minuten einwirken, bevor du es ausspülst. Halte dich an die Packungsbeilage. Bei sehr dicken Belägen, etwa bei Schuppenflechte, setzen Fachleute auch Salben mit 5 bis 10 Prozent Salicylsäure ein. Das gehört aber in ärztliche Hand.
Schritt 3: Die Ursache mitbehandeln
Lösen allein reicht nicht, sonst bilden sich die Platten neu. Steckt ein SE dahinter, gehört ein Shampoo gegen den Hefepilz Malassezia dazu, zum Beispiel mit Ketoconazol. Eine Auswertung vieler Studien zeigt, dass solche Pilzmittel beim SE besser wirken als Mittel ohne Wirkstoff. Welche Shampoos es gibt, liest du im Artikel Shampoo gegen seborrhoisches Ekzem. Den ganzen Behandlungsweg beschreiben wir im Artikel Seborrhoisches Ekzem an der Kopfhaut.
Wenn die Platten hartnäckig bleiben
Ist die Kopfhaut stark entzündet, kann deine Ärztin oder dein Arzt eine Lösung verordnen, die Kortison und Salicylsäure kombiniert. So werden Entzündung und Beläge gleichzeitig behandelt. In einer kleinen Studie mit 48 Erwachsenen mit deutlichem SE der Kopfhaut wurde genau das zwei Wochen lang eingesetzt. Danach wuschen die Teilnehmenden einmal pro Woche entweder mit einem Shampoo mit Selendisulfid, einem weiteren Wirkstoff gegen Malassezia, oder mit einem Shampoo ohne Wirkstoff. Nach acht Wochen hatten mit Selendisulfid 17 Prozent einen Rückfall, ohne Wirkstoff 54 Prozent. Die regelmäßige Weiterbehandlung machte Rückfälle also deutlich seltener.
Kortison ist nur für kurze Zeit und ärztlich begleitet gedacht. Mehr dazu im Artikel Kortison bei seborrhoischem Ekzem. Eine internationale Expertengruppe weist außerdem darauf hin, dass es für stärkere Formen des SE an der Kopfhaut bisher keine Mittel gibt, die speziell dafür zugelassen sind. Die Behandlung wird deshalb oft aus verschiedenen Bausteinen zusammengestellt. Gerade bei hartnäckigen Platten lohnt sich eine hautärztliche Begleitung.
Häufige Fehler beim Ablösen
Abkratzen oder mit dem Kamm abreißen. Das verletzt die Haut. Darunter kann es bluten oder sich entzünden.
Zu schnell zu viel wollen. Dicke Beläge lösen sich meist erst nach mehreren Anwendungen.
Salicylsäure selbst stark konzentriert anmischen. Starke Zubereitungen können die Haut reizen. Über größere Flächen kann der Wirkstoff außerdem durch die Haut in den Körper gelangen. Bleib bei fertigen Produkten und der Packungsbeilage.
Salicylsäure beim Baby verwenden. Bei einem sechs Wochen alten Säugling kam es nach dreitägiger Anwendung einer Zubereitung mit 23 Prozent Salicylsäure auf der Kopfhaut zu einer schweren Vergiftung. Das ist ein Einzelfall, zeigt aber: Babykopfhaut gehört nicht in Eigenregie behandelt. Wie du Krusten beim Baby sanft löst, liest du im Artikel Kopfgneis beim Baby.
Nach dem Lösen aufhören. Ohne Behandlung der Ursache kommen die Platten oft zurück.
Wann solltest du ärztlich abklären lassen?
Lass deine Kopfhaut in einer hautärztlichen Praxis anschauen, wenn
du nicht weißt, was hinter den Schuppenplatten steckt,
sich nach etwa vier Wochen mit Wirkstoff-Shampoo nichts bessert,
die Stellen nässen, bluten, schmerzen oder eitern,
Haare in den Belägen verklebt sind oder kahle Stellen entstehen,
ein Kind oder Baby betroffen ist,
der Juckreiz dich im Alltag oder im Schlaf stark stört.
Wenn du erst einmal herausfinden willst, welche Schuppenart du hast, hilft dir unser Ratgeber Schuppen auf der Kopfhaut.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, Schuppenplatten zu lösen?
Das hängt davon ab, wie dick die Beläge sind. Dünne Beläge lockern sich oft nach einigen Anwendungen. In Studien wurden Wirkstoff-Shampoos vier Wochen lang mehrmals pro Woche verwendet. Hat sich bis dahin wenig getan, lass das ärztlich abklären.
Kann ich Schuppenplatten mit Öl entfernen?
Öl kann die Beläge aufweichen und wird dafür auch eingesetzt. Gut untersucht ist das bei Erwachsenen aber nicht. Kombiniere es am besten mit einem Wirkstoff-Shampoo und wasch es gründlich aus.
Fallen durch Schuppenplatten die Haare aus?
Beim Ablösen können Haare mitgehen, die in den Belägen festsitzen. Entstehen kahle Stellen, solltest du das immer ärztlich abklären lassen. Mehr dazu im Artikel Seborrhoisches Ekzem und Haarausfall.
Sind Schuppenplatten ansteckend?
Ein SE ist nicht ansteckend, eine Schuppenflechte auch nicht. Der Hefepilz Malassezia lebt ohnehin auf fast jeder Haut. Anders kann es bei einem Pilzbefall der Kopfhaut sein. Ob so einer dahintersteckt, kann nur eine ärztliche Untersuchung klären.
Quellen & Studien
- Pityriasis amiantacea: a clinical and etiopathologic study of 85 patients
- A randomised, single-blind, single-centre clinical trial to evaluate comparative clinical efficacy of shampoos containing ciclopirox olamine (1.5%) and salicylic acid (3%), or ketoconazole (2%, Nizoral) for the treatment of dandruff/seborrhoeic dermatitis
- Psoriasis of the scalp. Diagnosis and management
- Pityriasis amiantacea following bone marrow transplant
- Topical antifungals for seborrhoeic dermatitis
- Maintenance effect of a once-weekly regimen of a Selenium Disulfide-based shampoo in moderate-to-severe scalp seborrheic dermatitis after initial treatment with topical corticosteroid/salicylic acid
- A comprehensive literature review and an international expert consensus on the management of scalp seborrheic dermatitis in adults
- Local salicylate transcutaneous absorption: an unrecognized risk of severe intoxication: a case report