Haare färben bei seborrhoischem Ekzem: Geht das?
Deine Kopfhaut schuppt und juckt, der Ansatz wächst raus, und du fragst dich, ob du trotzdem färben darfst. Kurz gesagt: Ein seborrhoisches Ekzem (SE) an der Kopfhaut verbietet das Haare färben nicht. Studien, die direkt untersuchen, ob Färben das SE verschlechtert, gibt es aber kaum. Gut belegt ist etwas anderes: Haarfarben können die Kopfhaut reizen und eine Allergie auslösen. Wir erklären, worauf du achten kannst und wie du Färbereaktion und SE auseinanderhältst.
Was macht Haarfarbe mit der Kopfhaut?
Reizung durch die Chemie
Dauerhafte Haarfarben arbeiten mit einer chemischen Reaktion. Laut einer Übersicht zu Allergien durch Haarprodukte enthalten sie meist Wasserstoffperoxid und Ammoniak. Damit dringt die Farbe tief ins Haar ein. Das kann das Haar schädigen und die Kopfhaut reizen.
Allergie durch PPD
Der häufigste Auslöser für Allergien durch Haarprodukte ist PPD (para-Phenylendiamin). Das ist ein Farbstoff in den meisten dauerhaften dunklen Haarfarben. Die Übersicht beschreibt typische Zeichen einer PPD-Allergie: zuerst Juckreiz der Kopfhaut, dann ein Ekzem auf der Kopfhaut, an Stirn, Augenlidern und Nacken. Wer schon sensibilisiert ist, also bereits eine Allergie entwickelt hat, reagiert meist ein bis drei Tage nach dem Färben. Eine Allergie kann aber auch neu entstehen, selbst wenn du jahrelang ohne Probleme gefärbt hast. Beim ersten Kontakt zeigt sie sich laut der Übersicht oft erst nach vier bis vierzehn Tagen. Selten kommt es zu sofortigen, schweren Reaktionen mit Schwellung oder Atemnot.
Wird seborrhoisches Ekzem durch Färben schlimmer?
Dazu gibt es keine guten Studien. Bekannt ist aber: Bei Schuppen und SE ist die Hautbarriere gestört. Das ist die äußerste Hautschicht, die Reizstoffe normalerweise abhält. Eine Übersichtsarbeit beschreibt, dass die Kopfhaut von Menschen mit Schuppen stärker auf reizende Stoffe reagiert als die anderer Menschen. Es liegt deshalb nahe, dass eine entzündete, schuppende Kopfhaut empfindlicher auf Haarfarbe reagiert. Belegt ist das für das SE nicht.
Mehr dazu, was an der Kopfhaut beim SE passiert, liest du in Seborrhoisches Ekzem an der Kopfhaut.
SE oder Reaktion auf die Haarfarbe?
Beides sieht sich ähnlich
Rötung, Schuppen und Juckreiz auf der Kopfhaut können vom SE kommen, aber auch von einer Allergie oder Reizung.
Eine große nordamerikanische Auswertung von Allergietests zeigt, wie oft beides zusammenhängt. Bei Menschen, die nur Beschwerden an der Kopfhaut hatten, war ein allergisches Kontaktekzem die häufigste Diagnose (38,6 Prozent). Ein SE lag bei 17,2 Prozent vor.
Oft hatten Betroffene mehrere Ursachen gleichzeitig. Der häufigste Auslöser der Allergien war PPD, die häufigste Quelle Haarfarbe.
Die Zahlen stammen von Menschen, die zum Allergietest überwiesen wurden. Für alle mit SE gelten sie nicht. Sie zeigen aber: Wenn deine Kopfhaut nach dem Färben schlimmer wird, lohnt es sich, an eine Allergie zu denken.
Hinweise auf eine Färbereaktion
Diese Zeichen sprechen eher für eine Reaktion auf die Haarfarbe:
Die Beschwerden beginnen ein bis drei Tage nach dem Färben.
Es juckt stark, auch an Stirn, Augenlidern oder Nacken.
Die Haut schwillt an oder nässt.
Das SE dagegen hat typische fettige, gelbliche Schuppen und verläuft in Schüben, unabhängig vom Färben. Ein Kontaktekzem ist eine Entzündung durch einen Stoff, der die Haut berührt. Den Unterschied zum SE zeigen wir in Kontaktekzem oder seborrhoisches Ekzem.
So färbst du schonender
Vorher testen
Die Übersicht empfiehlt einen Selbsttest: Eine kleine Menge Farbe auf die Innenseite des Unterarms auftragen und nach 45 Minuten abwaschen. Danach die Stelle beobachten, und zwar bis zu sechs Tage lang. Rötung oder kleine Knötchen sprechen gegen diese Farbe. Am genauesten lässt sich eine Allergie mit einem Epikutantest in der Hautarztpraxis klären. Dabei werden mögliche Allergene, also Stoffe, die eine Allergie auslösen können, auf die Haut geklebt und nach zwei bis drei Tagen abgelesen.
Weitere Tipps
Färbe nicht in einem akuten Schub. Warte, bis die Kopfhaut wieder ruhig ist. Das ist eine Vorsichtsmaßnahme, keine durch Studien geprüfte Regel.
Wasche die Farbe mit nach hinten geneigtem Kopf aus. So läuft weniger Farbe über Stirn und Gesicht. Das empfiehlt auch die Übersicht.
Prüfe PPD-freie Farben. Es gibt Haarfarben ohne PPD. Manche Menschen mit PPD-Allergie vertragen sie, andere reagieren trotzdem, weil sich die Stoffe ähneln. Auch hier gilt: vorher testen.
Achte bei Henna auf die Zutaten. Sogenanntes schwarzes Henna, etwa für Tattoos, enthält oft PPD.
Was du beim Waschen nach dem Färben beachten kannst, steht in Haare waschen bei seborrhoischem Ekzem.
Wann solltest du ärztlich abklären lassen?
Geh in die Hautarztpraxis, wenn:
nach dem Färben starker Juckreiz, Rötung, Schwellung oder Nässen auftreten,
sich Gesicht, Augenlider oder Lippen stark schwellen. Bei Atemnot ruf sofort den Notruf 112,
die Kopfhaut trotz Wirkstoff-Shampoo nicht besser wird und du nicht weißt, ob SE oder Allergie dahintersteckt,
du schon einmal auf Haarfarbe reagiert hast und wieder färben willst.
Häufige Fragen
Darf ich mit seborrhoischem Ekzem zum Friseur?
Ja. Sag deiner Friseurin oder deinem Friseur, dass deine Kopfhaut empfindlich ist. Wenn du schon einmal auf Haarfarbe reagiert hast, sprich das vorher an und frag nach einem Test oder einer PPD-freien Farbe.
Ist eine Tönung besser als eine dauerhafte Haarfarbe?
Dauerhafte Haarfarben dringen durch Wasserstoffperoxid und Ammoniak tief ins Haar ein und können die Kopfhaut stärker reizen. Ob Tönungen bei SE besser vertragen werden, ist nicht untersucht. Auch Tönungen können Allergene enthalten.
Kann ich nach dem Färben mein Anti-Schuppen-Shampoo weiter nutzen?
Dazu gibt es keine Studien, die gegen das Weiterverwenden sprechen. Brennt die Kopfhaut nach dem Färben, kannst du das Wirkstoff-Shampoo für ein paar Tage durch ein mildes Shampoo ersetzen. Bist du unsicher, frag in der Apotheke oder Hautarztpraxis nach. Tipps gegen den Juckreiz findest du in Seborrhoisches Ekzem und Juckreiz.
Färben trotz Schuppen auf der Kopfhaut?
Ob leichte Schuppen das Risiko erhöhen, ist nicht untersucht. Bei dicken Schuppenplatten oder offenen, gereizten Stellen solltest du erst die Kopfhaut beruhigen. Wie das geht, erklären wir in Schuppenplatten auf der Kopfhaut lösen und auf unserer Seite zu Schuppen auf der Kopfhaut.
Quellen & Studien
- Hair Product Allergy: A Review of Epidemiology and Management
- Scalp involvement in patients referred for patch testing: Retrospective cross-sectional analysis of North American Contact Dermatitis Group data, 1996 to 2016
- Allergic Contact Dermatitis Due to Paraphenylenediamine: An Update
- Seborrheic Dermatitis and Dandruff: A Comprehensive Review