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Seborrhoisches Ekzem und Immunsystem: Was steckt dahinter?

Du hast gelesen, dass seborrhoisches Ekzem (SE) etwas mit dem Immunsystem zu tun hat, und fragst dich jetzt, ob deine Abwehr geschwächt ist? Die kurze Antwort: Das Immunsystem ist am SE beteiligt, weil es auf einen Hefepilz der Haut mit einer Entzündung reagiert. Ein SE bedeutet aber in aller Regel nicht, dass mit deiner Abwehr etwas nicht stimmt. Nur selten steckt eine echte Immunschwäche dahinter. Wir erklären, wie das zusammenhängt und wann eine Abklärung sinnvoll ist.

Welche Rolle spielt das Immunsystem beim seborrhoischen Ekzem?

Die Haut reagiert auf Malassezia

Auf talgreicher Haut lebt der Hefepilz Malassezia. Er zerlegt Hautfette und setzt dabei reizende Fettsäuren frei. Eine Übersichtsarbeit beschreibt, wie die Haut darauf reagiert: Bestimmte Sensoren der Immunabwehr erkennen diese Stoffe und lösen eine Entzündung aus. So entstehen Rötung, Schuppen und manchmal Juckreiz.

Das heißt: Beim SE arbeitet das Immunsystem nicht zu schwach, sondern reagiert auf einen eigentlich harmlosen Hautbewohner. Mehr zum Hefepilz liest du in Malassezia.

Mehr als nur der Pilz

Fachleute gehen inzwischen davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenkommen. Eine Übersicht nennt neben Malassezia die Talgbildung, die Hautbarriere, die Immunabwehr, Hormone, Nerven und Umwelteinflüsse. Genetische Studien deuten darauf hin, dass die Abwehr der Haut bei manchen Menschen den Hefepilz etwas schlechter in Schach hält. Das ist keine allgemeine Immunschwäche, sondern betrifft gezielt die Haut. Wie genau das zusammenspielt, wird noch erforscht. Einen Überblick über alle Ursachen findest du in Ursachen des seborrhoischen Ekzems.

Heißt seborrhoisches Ekzem, dass mein Immunsystem schwach ist?

In aller Regel nicht. SE ist eine häufige Hauterkrankung, die oft schon junge, sonst gesunde Erwachsene betrifft. Eine Übersicht zählt eine Immunschwäche zwar zu den möglichen Einflussfaktoren. Sie steht aber neben vielen anderen, etwa Talgdrüsenaktivität, Hormonen und Umweltfaktoren.

SE ist eine chronische Erkrankung, die in Schüben verlaufen kann. Ein einzelner Schub ist für sich genommen kein Hinweis auf eine Immunschwäche.

Wann ist ein geschwächtes Immunsystem beteiligt?

HIV

Bei Menschen mit HIV kommt SE deutlich häufiger vor. In einer türkischen Studie mit 144 Menschen mit HIV war es die häufigste Hautveränderung und betraf 28,5 Prozent. Eine Übersicht erklärt das mit einer gestörten Immunabwehr und einem Ungleichgewicht der Hautmikroben, bei dem sich Malassezia stärker vermehren kann.

Die Behandlung von HIV hat das Bild verändert. Eine aktuelle Übersicht beschreibt, dass SE bei Menschen mit HIV seltener werden könnte, seit mehr Menschen eine antiretrovirale Therapie erhalten. Das ist die Behandlung, die das Virus unterdrückt.

Ein Fallbericht aus Japan zeigt, warum das Thema trotzdem wichtig ist: Bei einem 44-jährigen Mann war ein hartnäckiges SE im Gesicht, das auf Cremes nicht ansprach, der erste Hinweis auf eine HIV-Infektion. Nach Beginn der HIV-Therapie besserte sich auch die Haut deutlich. Ein einzelner Fall lässt sich nicht verallgemeinern. Ein hartnäckiges Ekzem allein ist kein Beleg für eine Immunschwäche. Der Fall zeigt aber, worauf Fachleute bei ungewöhnlichen Verläufen achten.

Organtransplantation und Medikamente, die die Abwehr dämpfen

Nach einer Organtransplantation nehmen Menschen dauerhaft Medikamente, die das Immunsystem dämpfen. In einer britischen Untersuchung an 308 Menschen mit Nierentransplantation hatten 9,5 Prozent ein SE. Andere entzündliche Hauterkrankungen kamen in dieser Gruppe kaum vor. Das SE stach also heraus.

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Kann ich mein Immunsystem gegen seborrhoisches Ekzem stärken?

Viele Produkte versprechen, „das Immunsystem zu stärken“. Für das SE gibt es dafür keine belastbaren Belege. Was zu Nahrungsergänzungsmitteln bekannt ist, liest du in Nahrungsergänzung bei seborrhoischem Ekzem.

Sinnvoller ist es, die Entzündung der Haut gezielt zu behandeln. Eine Übersicht zur Behandlung nennt:

  • Mittel gegen Pilze wie Ketoconazol oder Ciclopirox, die Malassezia verringern,

  • entzündungshemmende Cremes wie schwache Kortisonpräparate für kurze Zeit,

  • Calcineurin-Hemmer, die gezielt in die Immunreaktion der Haut eingreifen. Mehr dazu in Tacrolimus bei seborrhoischem Ekzem.

Einen Überblick findest du unter Behandlung des seborrhoischen Ekzems.

Wann solltest du ärztlich abklären lassen?

Lass dich in der Haus- oder Hautarztpraxis untersuchen, wenn:

  • das SE plötzlich sehr stark wird oder sich weit ausbreitet,

  • es trotz konsequenter Behandlung über Wochen nicht besser wird,

  • weitere Beschwerden dazukommen, etwa häufige Infekte, ungewollter Gewichtsverlust, Fieber oder Nachtschweiß,

  • du Medikamente nimmst, die das Immunsystem dämpfen, und sich die Haut verändert.

In solchen Fällen kann die Ärztin oder der Arzt weitere Untersuchungen vorschlagen, zum Beispiel Blutwerte oder einen HIV-Test. Ein HIV-Test ist heute eine einfache Blutuntersuchung.

Häufige Fragen

Ist seborrhoisches Ekzem eine Autoimmunerkrankung?

Nein, so wird es nicht eingeordnet. Beim SE reagiert die Haut mit einer Entzündung auf Malassezia und dessen Abbauprodukte. Bei einer Autoimmunerkrankung richtet sich die Abwehr dagegen gegen körpereigenes Gewebe.

Kann seborrhoisches Ekzem ein Zeichen für HIV sein?

Bei Menschen mit HIV ist SE häufiger. Ein typisches, gut behandelbares SE ist aber kein Grund zur Sorge. Auffällig ist eher ein ungewöhnlich starkes, plötzlich auftretendes oder hartnäckiges Ekzem, besonders zusammen mit anderen Beschwerden.

Ist seborrhoisches Ekzem ansteckend, wenn das Immunsystem beteiligt ist?

SE gilt nicht als ansteckend, auch wenn das Immunsystem an der Entzündung beteiligt ist. Die Hintergründe erklären wir in Ist seborrhoisches Ekzem ansteckend?.

Werden Schübe schlimmer, wenn ich erkältet bin?

Dazu gibt es kaum Studien. Manche Betroffene berichten von Schüben, wenn sie krank oder stark belastet sind. Wie stark das bei dir ist, kannst du mit einem Hautprotokoll beobachten. Tipps dazu stehen in Die eigenen Trigger herausfinden.

Quellen & Studien

  1. An update on the microbiology, immunology and genetics of seborrheic dermatitis Adalsteinsson JA, Kaushik S, Muzumdar S, Guttman-Yassky E, Ungar J · Exp Dermatol · 2020
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